Spätlese Nr. 6


„Agenda Älterwerden“

Gemeinsames Grußwort des Vorsitzenden des Seniorenbeirates und des Bürgermeisters

Liebe „Spät-Leserinnen“, liebe „Spät-Leser“,
wie geht es Ihnen, wenn Sie an die Zukunft denken? Was erwarten Sie von Ihrer Zukunft? Wie möchten Sie eigentlich älter werden?
Wie in der letzten Spätlese versprochen, werden wir in diesem Jahr das Thema Älterwerden aktiv aufgreifen und wollen gemeinsam mit Ihnen unsere Zukunft gestalten.
Hierzu möchten wir Sie einladen, an – zunächst – zwei Veranstaltungen teilzunehmen.
Am 08. Mai wollen wir Sie in einer Auftaktveranstaltung zu unserer „Agenda Älterwerden in Emsdetten“ sowohl mit Humor als auch mit Praxisbeispielen inspirieren.
Danach möchten wir am 20. Mai gemeinsam mit Ihnen in einer Zukunftswerkstatt Visionen und konkrete Ideen entwickeln, wie wir gemeinsam in Emsdetten leben wollen und was wir anstoßen müssen, damit wir gemeinsam eine gute Zukunft haben.
Das Thema Älterwerden geht aber nicht nur uns Ältere an, sondern alle Generationen und alle Altersgruppen. Schließlich wollen wir alle gemeinsam in Emsdetten gut leben und zusammenleben! Bringen Sie also Freunde und Verwandte jeden Alters mit, wenn wir uns im Mai zu einem „Date mit unserer Zukunft“ treffen!
Freundliche Grüße
 
Georg Moenikes, Bürgermeister
Hans-Jürgen Jesse, 1. Vorsitzender des Seniorenbeirats

 


Nachruf : Eine Fröhlichkeit, die fehlen wird.

Der Seniorenbeirat der Stadt Emsdetten trauert um sein Mitglied Elsbeth Lüke.

Im Jahr 2011 wurde der Seniorenbeirat der Stadt Emsdetten gegründet. Elsbeth Lüke war von Beginn an Mitglied.  
Wichtig waren ihr die Menschen, die sie umgaben. Das war nicht nur die Familie. Sie hatte immer ein offenes Ohr für die Anliegen, die ihr vorgetragen wurden. Im Seniorenbeirat stellte sie die Anregungen und Fragen der Bürger direkt zur Diskussion. Das war ihr sehr wichtig.
Sie engagierte sich im Seniorenbeirat besonders dafür, dass den älteren Mitbürgern eine Stimme gegeben wurde.
Es gab nicht viel, für das sich Elsbeth nicht interessierte. Trotz ihrer Erkrankung war sie in allen Themen zu Hause. War sie von einer Sache überzeugt, gab es nichts was sie abhalten konnte, sich zu engagieren.
Elsbeth mit ihrer ansteckenden Fröhlichkeit, ihrer  Zuversicht, ihrer Lebensfreude und ihrer Bereitschaft, Aufgaben im und für den Seniorenbeirat zu übernehmen,  wird uns sehr fehlen.

Die Mitglieder des Seniorenbeirats der Stadt Emsdetten

 


Die „Sahnehäubchen“ des Alltags

Ehrenamtliche gestalten das Leben im Kastanienhof aktiv mit

 

Margit Ulrich mit einer Bewohnerin – Foto: Sievers

Zu einem Gespräch über Seniorenbegleiterinnen und  –begleiter traf sich Günther Sievers, Mitglied des Seniorenbeirats der Stadt Emsdetten und mitverantwortlich für die „Spätlese“, im Kastanienhof, einer Einrichtung der Stiftung St.-Josef, mit Frau Margit Ulrich, ehrenamtliche Mitarbeiterin, und Frau Barbara Peter, Sozialarbeiterin.
 
Was versteht man unter Seniorenbegleitern?
Ulrich: Wir sprechen hier im Haus eigentlich nur von Ehrenamtlichen. Der Begriff Seniorenbegleiter ist nicht so gebräuchlich. Ich selbst habe diese Ausbildung auch angefangen, aber abgebrochen, als mein Mann starb. Danach hat es eine Weile gedauert, bis ich mich im Kastanienhof für eine ehrenamtliche Tätigkeit vorgestellt habe. Das ist jetzt ungefähr vier  Jahre her. Einen persönlichen Bezug zum Kastanienhof hatte ich schon viele Jahre, da mein Schwiegervater hier seinen Lebensabend verbrachte.

Sie haben die Ausbildung dann nicht mehr fortgesetzt? Aber vielleicht können Sie den Lesern trotzdem einmal beschreiben, was eine Seniorenbegleiterin macht?
Ulrich/Peter: Die Möglichkeiten einer ehrenamtlichen Tätigkeit im Rahmen der offenen Altenhilfe sind außerordentlich vielseitig. Einzelbetreuung von Bewohnern/innen, Essen und Getränke reichen, singen, vorlesen,  Begleitung zu Veranstaltungen, zur Kirche und in die Kapelle, Mithilfe bei Festen und Aktivitäten sind nur eine kleine Auswahl.

Sie sind also ehrenamtlich tätig? Werden Sie auch bei der Pflege der Bewohner mit eingesetzt, also beim Waschen, Zahnpflege oder Toilettengang?
Ulrich: Wir arbeiten unentgeltlich, ehrenamtlich. Aber das ist eine Aufgabe, die sehr viel Spaß und Freude macht. Wir wollen und dürfen  keine pflegerischen Tätigkeiten ausüben, dies sehen wir auch nicht als unseren Part. Hierfür sind die examinierten Altenpfleger im Haus. Wir ehrenamtlichen Mitarbeiter sehen uns als „Sahnehäubchen“ des Ganzen, wir können z.B. Zuwendung schenken, ohne auf die Uhr sehen zu müssen, dem Menschen unsere Zeit schenken.

Könnte eigentlich jeder so eine Aufgabe übernehmen und ausfüllen? Oder muss man dafür bestimmte Voraussetzungen erfüllen?
Ulrich: Jeder, der Freude am Umgang mit Menschen hat, freundlich und offen ist und Zuneigung zu hilfsbedürftigen Personen empfindet, ist für diese Aufgabe geeignet. Man bekommt für seine Tätigkeit zwar keinen materiellen Lohn, dafür aber täglich Dankbarkeit der betreuten Personen zurück, und das ist oft mehr wert als ein paar Euro.

Wie oft und wie lange sind Sie hier tätig?
Ulrich: Ich selbst bin mittwochs zwei Stunden, 14-tägig freitags auch ein, zwei Stunden im Haus, ansonsten aber oft zusätzlich zur Unterstützung bei anderen Veranstaltungen dabei, manchmal auch an Wochenenden. Andere Kolleginnen und Kollegen sind länger oder auch kürzer hier im Haus beschäftigt. Jeder kann das selbst entscheiden, wie viel Zeit sie oder er für die gute Sache verwenden kann oder will.

Es sind also nicht nur Frauen, die hier bei  der Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner mithelfen? Wie viele Ehrenamtliche gibt es denn in der Stiftung St. Josef? Gibt es diesen Job nur in der Stiftung St. Josef oder auch in anderen Alten- oder Pflegeheimen?
Peter: Das ist richtig, hier im Kastanienhof gibt es mehrere Männer, die ehrenamtlich eine Reihe von Aufgaben übernehmen, wie z.B. die Betreuung einzelner Bewohner, Begleitung bei Veranstaltungen oder Musikangebote. Derzeit ist gerade der Aufbau einer Hauszeitung in Arbeit, in der über interessante Veranstaltungen im Haus, aber auch Kurzberichte und Erzählungen von und über einzelne Bewohner berichtet werden soll. Wie viele Ehrenamtliche es in der Stiftung St. Josef gibt, ist mir nicht genau bekannt. Allein im Kastanienhof  gibt es mindestens 27 ehrenamtliche Mitarbeiter, die sich an verschiedenen Tagen und zu unterschiedlichen Zeiten um die Bewohner kümmern.

Sind Sie nur im Kastanienhof tätig oder werden Sie manchmal auch in anderen Häusern der Stiftung St. Josef eingesetzt?
Ulrich: Wir sind nur hier im Kastanienhof tätig. Ein Austausch mit anderen Häusern wäre schwierig. Unsere  Tätigkeiten brauchen einen engen Kontakt zu den Bewohnerinnen und Bewohnern und basieren auf viel gegenseitigem Vertrauen, das oft viel Zeit braucht um zu wachsen.  Das wäre durch ein Rotieren zwischen verschiedenen Häusern nicht aufzubauen.

Können Sie von einem besonders schönen oder traurigen Erlebnis berichten?
Ulrich: Eigentlich gibt mir jeder Tag, den ich hier verbringe, sehr viel Freude. Es ist immer wieder etwas Neues, denn die Bewohner sind nicht jeden Tag „gleich gut drauf“. Auch die Verrichtungen sind nicht immer die gleichen, mal ist singen oder lesen angesagt, mal beim monatlichen Waffelcafé Waffeln und Kaffee servieren, mal Spaziergänge. Das bringt also viel Abwechslung. „Trotzdem gibt es natürlich auch manchmal traurige Begebenheiten, zum Beispiel, wenn eine Bewohnerin oder ein Bewohner verstirbt, die oder den man lange Zeit gekannt und betreut hat. Aber das gehört eben auch dazu, schließlich bin ich in einem Altenheim tätig.“

•  Informationen und Fakten:
Die Kurse zum Seniorenbegleiter/zur Seniorenbegleiterin wurden bis zum Jahr 2014 vom „Bildungsinstitut für soziale Gerontologie und Ehrenamt“ der Stiftung St.-Josef durchgeführt. Momentan werden keine Kurse angeboten. Nach Auskunft von Mechhild Bücker wird aber erwogen, die Kurse eventuell im 2. Halbjahr 2017 wieder aufleben zu lassen. Aufgrund der geänderten gesetzlichen Bestimmungen wird die Kursdauer dann wohl von bisher 30 auf 40 Stunden geändert werden müssen.
Die bisher durchgeführten Kurse waren für Jedermann offen.

Wer sich für eine solche Weiterbildung und entsprechende ehrenamtliche Tätigkeit interessiert, kann weitere Auskünfte bei Frau Mechthild Bücker vom „Bildungsinstitut für soziale Gerontologie und Ehrenamt“ unter der Telefonnummer 02572-14-194 oder per Mail unter bildungsinstitut@stiftung-st-josef.de erfragen.

 


Pflegegrade statt Pflegestufen

Pflegebedürftigkeit neu definiert / Seit Jahresbeginn 2017 einige Neuerungen

Mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz, das seit dem 1.1.2016 in Kraft ist und seit Jahresbeginn 2017 gilt, wurde der Begriff der Pflegebedürftigkeit neu definiert. Die bisherigen 3 Pflegestufen sind  durch  5 Pflegegrade ersetzt worden. Dabei ist es besonders wichtig, dass neben körperlichen auch geistige und seelische Beeinträchtigungen bei der Begutachtung und Bewertung gleichberechtigt berücksichtigt werden.
Besonders zwei Personengruppen werden von der Umstellung profitieren:
•  Pflegebedürftige, die zuhause betreut werden
•  Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz (EA), z.B. mit beginnender Demenz

Wie auch schon früher, muss der Betreuungsbedarf vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) festgestellt werden.
Wer bisher keine klassische körperliche Pflege benötigte, wurde bei Vorliegen entsprechender geistiger Einschränkungen mit erheblicher EA in die Pflegestufe „Null“ eingeordnet. Nach dem neuen Gesetz erhält diese Personengruppe den Pflegegrad 2.
Personen, die zum 31.12.2016 bereits in der Stufe 0 eingeordnet waren, erhalten automatisch den Pflegegrad 2. Nur, wer bis zu diesem Stichtag noch nicht als pflegebedürftig angesehen war, wird mindestens den Pflegegrad 1 erhalten.
Grundsätzlich gilt für die Überleitung in die neuen Pflegegrade bei Menschen mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen die Regel „+1“, bei Menschen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz die Regel „+2“. Das bedeutet, dass jemand, der ausschließlich körperlich eingeschränkt ist und bisher die Pflegestufe 1 hatte, ab 2017 den Pflegegrad 2 erhält. Eine Person mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz und bisher Pflegestufe 1 wird zukünftig den Pflegegrad 3 erhalten.

Gegenüberstellung bisheriger Pflegestufen und die neuen Pflegegrade:
Menschen mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen: bis 2016: 0, ab 2017: 1; bis 2016: I, ab 2017: 2; bis 2016: II, ab 2017: 3; bis 2016: III (Härtefall), ab 2017: 5.

Menschen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz:  bis 2016: /, ab 2017: 1; bis 2016: 0, ab 2017: 2; bis 2016: I, ab 2017: 3; bis 2016: II, ab 2017: 4; bis 2016: III, ab 2017: 5.

 


Selbständigkeit  erhalten

Immer mehr Menschen sind pflegebedürftig

„In Deutschland gibt es immer mehr Pflegebedürftige, was auch für den Kreis Steinfurt gilt.“ Darauf wies jetzt der Vorsitzende des Sozialverbandes VdK-Kreisverbandes Steinfurt Dr. Reinhold Hemker bei verschiedenen Veranstaltungen im Kreis hin, die Spätlese hat nachgefragt:

Wie kann die Versorgung der Pflegebedürftigen sichergestellt werden?
„Die meisten Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt. Über 80 Prozent der Pflegebedürftigen sind 65 Jahre und älter, mehr als ein Drittel ist mindestens 85 Jahre alt. Die meisten Menschen, die Pflege brauchen, sind Frauen. Annähernd drei Viertel aller Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt, 1,38 Millionen allein durch Angehörige.

Das ist eine erhebliche Anzahl, die eine häusliche Pflege erfahren. Hat das neue Pflegestärkungsgesetz denn Verbesserungen für die Angehörigen gebracht oder sehen Sie noch weiteren Bedarf?
Pflegende Angehörige müssen viel mehr Unterstützung bekommen. Dazu gehören gute Beratung und umfassende Informationen sowie der Ausbau der im Gesetz vorgesehenen Entlastungsangebote, welche durch den Höchstsatz von 125 Euro pro Monat gedeckelt sind.

Angehörige, die sich entscheiden, ein Familienmitglied zu pflegen, und damit in ihrem Beruf kürzertreten müssen, fürchten natürlich negative Auswirkungen auf ihre Rente.
Für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf sollte eine aus Steuermitteln finanzierte Lohnersatzleistung analog zum Elterngeld eingeführt werden. Pflegende Angehörige sind Leistungsträger der Gesellschaft. Wer sich als Berufstätiger entscheidet, einen Angehörigen zu pflegen, soll keine Angst haben, später deshalb in Altersarmut zu geraten.

Sinnvoll ist es doch, älteren Menschen so lange wie möglich ihre Selbstständigkeit zu erhalten.
Da haben Sie völlig recht. Deshalb muss der Bund mehr Mittel für den altersgerechten Umbau von Wohnungen bereitstellen. Darüber hinaus sollten geriatrische Reha-Maßnahmen einen höheren Stellenwert bekommen, damit Pflegebedürftigkeit vermieden wird.

Welche weiteren Verbesserungen bietet das neue Pflegestärkungsgesetz?
Mit dem Pflegestärkungsgesetz II, so wird es vom VdK bundesweit als positiv zum Ausdruck gebracht, werden Menschen mit demenziellen Erkrankungen ab 2017 stärker berücksichtigt. Und die bisherigen Pflegestufen werden durch Pflegegrade abgelöst. Darum fragten immer mehr Menschen auch beim VdK an, wie sich der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff vom alten unterscheidet.

Informationen über die Geschäftsstelle des VdK-Kreisverbandes in Ibbenbüren, Tel. 05451/2403 oder per Mailanfrage kv@vdk-steinfurt.de. Anfragen können auch direkt gerichtet werden unter 0171-2658989. Mail: hemke_00@uni-muenster.de.

 


Ein intensiver Blick ins Detail

Was verbessert sich konkret? –  Weniger Anträge, mehr Personal, intensivere Förderung

Eine gute Möglichkeit, sich zu informieren, bietet im Internet die Seite des Bundesministeriums für Gesundheit http://www.pflegestaerkungsgesetz.de/. Aus dieser hat der Seniorenbeirat wesentliche Hinweise und Inhalte zusammen gestellt.

Was verbessert sich konkret für Pflegebedürftige in häuslicher Pflege und ihre pflegenden Angehörigen?
Leistungen der Pflegeversicherung für die häusliche Pflege werden erhöht. Bereits seit dem 1. Januar 2015 gibt es für alle zu Hause betreuten Pflegebedürftigen ein höheres Pflegegeld, höhere Pflegesachleistungen und mehr Geld für Pflegehilfsmittel.

Durch die neuen Pflegegrade und die damit verbundenen neuen Leistungsbeträge ab dem 1.1.2017 können viele Betroffene nochmals mehr Leistungen für die häusliche Pflege erhalten.
Durch den neuen Pflegegrad 1 erhalten mittelfristig bis zu 500.000 Menschen erstmals Zugang zu Leistungen der Pflegeversicherung.
Mehr Geld für Pflegehilfsmittel: Bis zu 40 Euro stehen pro Monat für Verbrauchsprodukte wie z.B. Betteinlagen oder Einmalhandschuhe zur Verfügung.
Höhere Zuschüsse für Umbauten: Bis zu 4.000 Euro können pro Maßnahme beantragt werden – etwa für Arbeiten zur Türverbreiterung.
Weniger Anträge: Für Pflegebedürftige zu Hause wird es einfacher, Pflegehilfsmittel zu erhalten: Wenn der Medizinische Dienst der Krankenversicherung Pflegehilfsmittel empfiehlt, müssen diese ab 2017 nicht mehr extra beantragt werden – das spart Formulare und Zeit.
Ausbau der Tages- und Nachtpflege: Auch die Angebotsvielfalt für die häusliche Pflege wurde verbessert. Tages- und Nachtpflege kann bereits seit dem 1.1.2015 zusätzlich ohne Anrechnung auf Pflegegeld und Pflegesachleistung in Anspruch genommen werden.
Ausweitung der Kurzzeitpflege: Die Kurzzeitpflege wird auf bis zu acht Wochen im Jahr ausgeweitet. Pflegerische Betreuung wird zum 1. Januar 2017 Regelleistung der Pflegeversicherung. Die Leistungen für die Ersatzpflege bei Verhinderung der privaten Pflegeperson zum Beispiel durch Urlaub oder Krankheit sind verbessert worden.
Angebote zur Unterstützung im Alltag: Ab dem 1. Januar 2017 können alle Pflegebedürftigen einen Entlastungsbetrag in Höhe von bis zu 125 Euro im Monat nutzen. Damit können Angebote zur Unterstützung im Alltag erstattet werden.
Bessere soziale Absicherung für pflegende Angehörige: Mehr Pflegepersonen erhalten Anspruch auf Beitragszahlungen der Pflegekassen in die Rentenversicherung, und die Absicherung pflegender Angehöriger bei späterer Arbeitslosigkeit wird verbessert.
Förderung betreuter Wohngruppen: Für die Gründung einer WG sowie für Maßnahmen für den Wohnungsumbau gibt es eine Anschubfinanzierung. Pflegebedürftige erhalten zudem einen monatlichen Wohngruppenzuschlag.
Welche Leistungen in Anspruch genommen werden können, kann bei der Pflegeberatung erfragt werden. Einen Überblick bietet: http://pflegeleistungshelfer.bundesgesundheitsministerium.de.

Was ist der Entlastungsbetrag? Alle Versicherten in häuslicher Pflege haben ab dem 1.1.2017 Anspruch auf einen Entlastungsbetrag in Höhe von bis zu 125 Euro monatlich.
Der Betrag ist zweckgebunden für die Entlastung pflegender Angehöriger oder vergleichbar Nahestehender sowie zur Förderung der Selbständigkeit und Selbstbestimmtheit der Pflegebedürftigen bei der Gestaltung ihres Alltags.
Der Entlastungsbetrag dient der Erstattung von Aufwendungen, die den Versicherten im Zusammenhang entstehen mit der Inanspruchnahme von
– Leistungen der Tages- oder Nachtpflege
– Leistungen der Kurzzeitpflege
– Leistungen der ambulanten Pflegedienste, in den Pflegegraden 2 bis 5 jedoch nicht von Leistungen im Bereich der Selbstversorgung
– Leistungen der nach Landesrecht anerkannten Angebote zur Unterstützung im Alltag.

Was ändert sich für Pflegebedürftige in einer Einrichtung? Für alle, die sich in vollstationärer Pflege befinden, also in einer Pflegeeinrichtung leben, wurden bereits 2015 die Leistungsbeträge angehoben. Durch die Überführung auf die neuen Pflegegrade zum 1.1.2017 erhalten viele Pflegebedürftige erneut höhere Leistungen der Pflegeversicherung, niemand wird schlechter gestellt.

Ab 2017 gilt in jeder vollstationären Pflegeeinrichtung ein einrichtungseinheitlicher pflegebedingter Eigenanteil. Das heißt: Es gibt innerhalb ein und derselben Einrichtung keinen Unterschied mehr bei den pflegebedingten Eigenanteilen der Bewohnerinnen und Bewohner mit den Pflegegraden 2 bis 5.
Alle Pflegebedürftigen in stationären Einrichtungen haben darüber hinaus Anspruch auf zusätzliche Betreuungsangebote wie Zeit für Spaziergänge oder Vorlesen.

Was geschieht mit dem zu zahlenden Eigenanteil bei Höherstufung? Für die Pflegegrade 2 bis 5 gilt ab dem 1.1.2017 ein einrichtungseinheitlicher pflegebedingter Eigenanteil. Vor diesem Zeitpunkt stieg im Falle einer Höherstufung der Pflegebedürftigkeit zwar die Leistung der Pflegeversicherung an, gleichzeitig aber nahm auch der pflegebedingte Eigenanteil zu.
Dies konnte dazu führen, dass Pflegebedürftige aufgrund eines möglichen höheren Eigenanteils auf eine Neubegutachtung verzichteten, obwohl sie mehr Pflege brauchten. Dieser Eigenanteil wird ab dem 1.1.2017 nicht mehr steigen, wenn jemand in seiner Pflegeeinrichtung in einen höheren Pflegegrad eingestuft werden muss.

Was ändert sich beim Personal in den stationären Pflegeeinrichtungen? Durch die Pflegestärkungsgesetze wurde es möglich, dass in der stationären Pflege mittlerweile 48.000 zusätzliche Betreuungskräfte tätig sind.Die Betreuungsrelation verbessert sich durch die Pflegestärkungsgesetze von 1:24 auf 1:20.
Einfachere Pflegedokumentation: Das neue Dokumentationskonzept findet bundesweit sehr großen Anklang in den Pflegeeinrichtungen. Bis Dezember 2015 hatten sich bereits 8.104 stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen als Teilnehmer registrieren lassen, das entspricht einem Drittel sämtlicher Pflegeeinrichtungen in Deutschland.

 


Ruhestand – und was dann?

Keine Leere nach dem Arbeitsende: Auszug aus Emsdettens umfangreichem Angebot
Von Bärbel Weßling

So lange hat man sich auf die Zeit, auf das Leben nach der Arbeit gefreut, doch plötzlich stellt man fest, dass etwas fehlt: Man hat zu viel Zeit, Haus und Garten sind gemacht, die Enkelkinder versorgt, das Lösen der Kreuzworträtsel befriedigt nicht mehr, das Fernsehprogramm bietet nicht, was man sich wünscht.
Alt sein möchte zwar niemand, doch alt werden ist erstrebenswert. Dabei kommt es nicht darauf an, wie alt man ist, sondern, wie man alt ist.
Alt macht nicht das Grau der Haare, alt ist nicht die Zahl der Jahre, alt ist, wer den Humor verliert und sich für nichts mehr interessiert.
Menschen im Lebensabschnitt für Fortgeschrittene brauchen also adäquate Möglichkeiten, die sie herausfordern, sie fit halten und einer drohenden Vereinsamung entgegen wirken.

In Emsdetten muss man sich nicht sorgen, Langeweile zu bekommen. Das Angebot für Seniorinnen und Senioren ist vielfältig, interessant und abwechslungsreich. Im Folgenden stellen wir einige Beispiele der großen, facettenreichen Vorschläge der verschiedenen Institutionen und Vereine vor, die helfen, einer Leere nach Arbeitsende vorzubeugen und die neue Freiheit zu genießen.
Sei es beim Sport, in einer christlichen Gemeinschaft, im Ehrenamt, in der Politik, bei gemütlichen Kaffeerunden oder Wettbewerben, in Gruppen oder allein.
Empfehlend hingewiesen sei auch auf die Internetseite www.senioren-emsdetten.de

 


Gemeinschaft  erleben

Angebote der Kirchengemeinden

Die Seniorengemeinschaft Herz Jesu wurde 1982 für alle Frauen und Männer im Rentenalter gegründet. Von Anfang an war das Interesse groß, sich zum gemeinsamen Plausch, zum Gebet oder zu besonderen Veranstaltungen zu treffen. Nach einem festen Programm finden jeden 1. und 3. Dienstag im Monat im Pfarrheim Herz Jesu die Zusammentreffen statt.
Die monatliche Eucharistiefeier, jährlich ein Einkehrtag, die Maiandacht an der Isendorfer Grotte, Rosenkranzandacht, Wallfahrt und Adventsfeier gehören zum festen Angebot. Zu religiösen und aktuellen Fragen werden Referenten eingeladen. Auch die Geselligkeit kommt nicht zu kurz: Es wird Karneval gefeiert, an Geburtstage gedacht, singen, spielen und klönen ist wichtig. Im Sommer locken Halbtagesausflüge. Die Gruppe ist offen für alle Seniorinnen und Senioren. Weitere Informationen: Elisabeth Salzmann, Tel. 3263; h.e.salzmann@t-online.de

In ähnlicher Weise geht es zu bei den Seniorengemeinschaften der anderen Altgemeinden.
Weitere Informationen: Heilig Geist: Maria Tenberg, Tel. 98490, Hembergen: Marlies Westers, Tel. 2401, St. Joseph: Erika Wenners, Tel. 81900, St. Marien: Christel Scheipermeier, Tel. 3752

Die evangelische Frauenhilfe der Gustav-Adolf-Kirchengemeinde trifft sich donnerstags, alle 14 Tage, von 15 – 17 Uhr in den Räumen des Gemeindehauses, Kirchstraße 37. Unter dem Thema: „Warte nicht auf das große Wunder, sonst verpasst du die vielen kleinen“ gibt es neben Kaffeetrinken und Spielenachmittagen Vorträge. So z.B. am 27. April 2017 zum Hospizdienst Emmaus oder am 8. Juni:  Einem göttlichen Geheimnis auf der Spur. Das traditionelle Singen im Mai ist für den 11.Mai geplant.
Weitere Infos bei: Monika Judith, Tel. 959773

 


Ehrenamt: Bürgerbus

Der Bürgerbus Emsdetten Saerbeck will die Mobilität der Menschen verbessern. Besonders älteren Menschen, körperlich beeinträchtigten Personen, jungen Familien und Kindern und Jugendlichen soll die Möglichkeit geboten werden, zu Einkäufen, Besorgungen, Behördengängen, Arztbesuchen sowie zu Kultur- oder Sportveranstaltungen zu gelangen.
Mit einem Führerschein der Klasse 3 kann jeder fahren, die Schulung ist ausgezeichnet. Ein- bis viermal im Monat sollte man im Einsatz sein, je nach Lust und Laune. Bürgerbusfahren macht und bereitet Freude.
„Ich fahre Bürgerbus, weil ich weiß, wie wichtig Mobilität für Menschen ist, die selber nicht mehr so können, wie sie gerne möchten“, sind sich viele Beteiligte einig.

Ansprechpartner: Karl-Heinz Weßling, Tel. 4194
www.buergerbus-emsdetten.de 

 


Was ist los in der Brücke?

Die Brücke schließt sich an das Altenwohnheim St. Josef-Stift an und ist ein Begegnungsort für ältere Menschen der Stadt Emsdetten. Neben einfachen Treffmöglichkeiten in gemütlicher Runde finden regelmäßig Gruppenangebote sowie Ausflüge und Tagesveranstaltungen statt.
Gesellige Spielenachmittage gibt es wieder am 8. und 22. Mai 2017 um 14.30 Uhr mit Kaffee und Plätzchen. Es gibt auch Gymnastik „Fit für 100“, musikgeragogische Angebote und einen Computerclub 60plus. Im der Brücke angeschlossenen Treffpunkt „Buntstift“  trifft man sich mittwochs (9 bis 12 Uhr), donnerstags (14.30 bis 17 Uhr) und samstags (9 bis 12 Uhr).

Weitere Infos: Tel. 14190, www.stiftung-sankt-josef.de

 


AWO bringt Abwechslung

Buntes Programm – für alle offen

In geselliger Runde bei der AWO (Foto: Speemanns)

Auch bei der AWO (Arbeiterwohlfahrt) geht es um Begegnung und Bewegung. Ein sehr abwechslungsreiches Programm wartet auf alle Interessierten. Regelmäßig jeden Dienstag findet das beliebte „Klönkaffee“ statt. Bei Kaffee und Kuchen wird in gemütlicher Runde geplaudert. „Spiel und Spaß“ gibt es an jedem ersten Donnerstag im Monat. Dabei wechseln sich Quiz, Film und Bingo ab. Die Waffelnachmittage am dritten Donnerstag im Monat sind weiterhin feste Bestandteile des Programms.
Die Seniorengymnastikgruppen treffen sich immer montags (8.30 bis 9.30 Uhr) und donnerstags (13.30 bis 14.30 Uhr). Zweimal im Monat gibt es vormittags den Seniorentanz.
Vom April bis Oktober wird jeden zweiten Samstag im Monat Rad gefahren, ab Stroetmanns Fabrik um 13.30 Uhr.
Das zusätzliche Programm ist vielfältig und interessant, z. B. gibt es im Mai ein Spargelessen und im Juni das Grillfest im Schrebergarten.
In der zweiten Jahreshälfte ist ein Aufenthalt auf der holländischen Insel Ameland geplant.
Dieses Programm richtet sich nicht nur an Mitglieder, sondern alle sind eingeladen.

Weitere Infos im Internet unter www.awo-ortsverein-emsdetten.de oder bei Gerd Sprekelmeyer, Tel. 4952 

 


Freude in der Freizeit

Als Lesepatin im Kindergarten die sprachliche Entwicklung fördern

 

Vorlesemorgen im Kindergarten mit Frau Deittert

Jutta Deittert, ehemalige Schulleiterin der Johannesschule in Mesum, hat eine ideale ehrenamtliche Freizeitbeschäftigung für sich gefunden. Sie berichtet für die Spätlese:

„Seit vier Jahren lese ich in einem Kindergarten als Lesepatin vor. Ich suchte nach meiner Pensionierung nach einer Aufgabe, die mit Kindern zu tun hatte. In der Zeitung entdeckte ich den Aufruf der Ehrenamtsbörse, sich als Lesepatin für Kindergärten zu melden.
Jede Woche beginnt nun meine Vorbereitung damit, dass ich in der Stadtbibliothek nach passenden Bilderbüchern, je nach Jahreszeit oder sonstigen Themen wie Freundschaft, Familie oder Tiere, suche. Zwar hat der Kindergarten auch viele interessante Bücher, aber die Kinder sind immer gespannt, was sich in meiner Tasche verbirgt.
Sie freuen sich, wenn sie mich im Flur entdecken und holen ihre Freunde ins Vorlesezimmer. Hier sind wir ungestört vom übrigen Treiben im Haus. Mit einer kleinen Gruppe von 4 bis 6 Kindern setze ich mich an einen Tisch und die Kinder dürfen sich von meinen Vorschlägen ein Buch aussuchen. Gespannt lauschen sie, wenn ich vorlese, geben Hinweise und Kommentare zur Geschichte. Es ist schön zu sehen, wie die Kinder sich im Laufe der Zeit sprachlich entwickeln, wie ihr Interesse an Geschichten wächst trotz Computer und Fernsehen.
Das Zusammensein mit den Kindern macht mir sehr viel Spaß, ich möchte es nicht mehr missen. Ich freue mich immer wieder, wenn sie beim Abschied fragen, ob ich auch bald wiederkäme.“

 


Radfahren und Westfalen – das passt

Die Radwanderfreunde Münsterland e.V. mit Sitz in Emsdetten zählen mehr als 430 Mitglieder aus Emsdetten und ganz Deutschland.
Rad fahren und Westfalen – das passt zusammen! Der Verein bietet die Leichtigkeit des Radfahrens in der Gruppe, Aktivitäten in der frischen Luft, nette Gespräche, den Gedankenaustausch und das Erleben der Jahreszeiten in der Natur. Für das Jahr 2017 stehen allein über 180 Veranstaltungen auf dem Programm!
Geboten werden wöchentliche Aktivitäten wie Nachmittagstouren (mittwochs 14 bis ca. 17.30 Uhr), Pättkestouren (donnerstags 14 Uhr) und Feierabendtouren, von März bis Oktober Tages- und Halbtagestouren, Mehrtagestouren, Wanderungen und andere Aktivitäten wie z. B. die Emsdettener Acht, Tanz in den Mai, Grillfeste und das Grünkohlessen.
Treffpunkt ist jeweils der Bornbrunnen. Die gefahrene Geschwindigkeit liegt je nach Tour zwischen 16 und 20 km je Stunde, bei Pättkestouren 13 bis 16 km je Stunde. Viele Teilnehmer sieht man inzwischen mit einem E-Bike bzw. Pedelec. Nichtmitglieder sind herzlich willkommen, der Mitgliedsbeitrag beträgt 10 Euro im Jahr.

Weitere Informationen gibt es bei: Karl-August Kortmöller, Tel. 89760
www.radwanderfreunde.de

 


Sportlich im Alter

Mit regelmäßiger sportlicher Betätigung kann man viel erreichen: Das Herz-Kreislauf-System wird gestärkt und die Muskulatur gekräftigt. Bewegung fördert zudem das Wohlbefinden und macht psychisch ausgeglichener. Hinzu kommt: Sport bietet die Möglichkeit, soziale Kontakte zu pflegen. Entscheidend ist, dass man sich regelmäßig bewegt und Spaß am Sport hat. Denn Sport bedeutet nicht in erster Linie Leistung.

Immer mehr Sport- und Fitnesszentren stellen sich auf unterschiedliche Personengruppen wie ältere Menschen, Herz-Kreislauf-Kranke oder Personen mit Rückenproblemen ein. Geschulte Betreuer gewährleisten, dass das Training dem jeweiligen Gesundheitszustand und den individuellen Bedürfnissen angepasst ist.

Ältere Menschen können mit Sport und Bewegung ihre Gesundheit fördern und an Vitalität und Lebensfreude gewinnen.
Nachschauen lohnt sich unter anderem unter: www.tvemsdetten.de, www.vhs-egs.de, www.fbs-steinfurt.de.

 


Aktivplatz für Senioren

Ein wunderbares Ausflugsziel, besonders in der wärmeren Jahreszeit, ist der Seniorenaktivplatz, auch gerne Seniorenspielplatz genannt – neben dem Park von Deitmars Hof. Geschaffen wurde der „Bewegungsparcours für Ältere“, um sie zur Bewegung und Aktivität anzuhalten. Man kann sein Balanciervermögen schulen, trainiert seine Beweglichkeit und tut etwas für den Muskelaufbau. Und dies alles in der herrlichen Umgebung eines Parks und des stetig vorbeiplätschernden Mühlenbachs. Ein Tisch mit einem Schachfeld und ein Bouleplatz ergänzen das Angebot.

 


Boule mit Urlaubslaune

Boule – wer denkt da nicht an Südfrankreich, Sonne, Platanen, Picasso oder Hemingway, meist ältere Männer in fein gebügelten Hosen und Hemden mit karierter Schirmmütze. Warum sollte man nicht an schönen Sommertagen dieses Gefühl auch in Emsdetten erleben können? Bouleplätze stehen im Stadtpark und auf Deitmars Hof zur Verfügung. Kugeln sind erhältlich im Café Heinrich bzw. im Wannenmacher Museum.

 


Bewegen und rasten

Ein zweiter Seniorenaktivplatz ist im Baugebiet Josefschule am Opalweg entstanden. Dort warten ein Wackelsteg und eine Streckbank auf bewegungsfreudige Seniorinnen und Senioren.
Gleichzeitig eignet sich dieser Ort vorzüglich als Pausenstationen für eine Radtour. Und auch die Enkelkinder sind begeistert, wenn Oma und Opa mit ihnen gemeinsam die Bewegungsangebote nutzen.

 


„Anlaufstelle für Senioren“

Neues Angebot im Mehrgenerationenhaus Saerbeck

Saerbecks Seniorenlotsen in der „Anlaufstelle für Senioren“ (Foto: Westbelt)

Bürgermeister Wilfried Roos eröffnete am 15. Januar 2017 die Anlaufstelle für Senioren unter dem Titel „Älter werden in Saerbeck“, die im Auftrag der Gemeinde vom Mehrgenerationenhaus Saerbeck in Trägerschaft der Kolpingsfamilie konzipiert und umgesetzt wurde. Das Bundesministerium wählte das erstellte Konzept aus – die Voraussetzung für eine zeitlich begrenzte Förderung.
Gut vorbereitet auf ihre ehrenamtliche Aufgabe gehen zwölf Seniorenlotsen an die Arbeit und geben in Sprechstunden zielgerichtet Informationen an ältere Menschen oder leiten an entsprechende Stellen weiter. Damit sind sie in erster Linie Ansprech- und Gesprächspartner für Menschen, die Unterstützung oder Hilfe suchen – natürlich ist Schweigepflicht und Neutralität dabei
oberstes Gebot. Welche Beratungsangebote gibt es? Welche Freizeit-/Kulturangebote finden statt? Wie baue ich meine Wohnung seniorengerecht um? Diese und andere Fragen sind gewünscht. Der Leitspruch dabei ist: „Seniorenlotsen wissen nicht alles, kennen aber immer jemanden, der weiterhelfen kann.“
Die Sprechstundenzeiten der Seniorenlotsen im Mehrgenerationenhaus (MGH) Saerbeck sind jeden Donnerstag von 9 bis 10.30 und jeden 1. Mittwoch 17 bis 18.30 Uhr. Das Angebot richtet sich auch an Senioren und deren Angehörige aus den umliegenden Gemeinden.
Eine ausdrückliche Einladung geht an alle ab 60 Jahren zum „Stammtisch 60plus“. Unter dem Motto „mitgestalten, mitwirken, mitmachen“ werden hier aktuelle Themen zum „Älter werden“ eingebracht und konkrete Angebote in Form von Vorträgen, Filmen und Aktionen entwickelt und im Programm des MGH veröffentlicht.
Zwei konkrete Angebote: „Selbstbestimmt wohnen – jetzt und im Alter“, ein Infoabend am Mittwoch, den 5. April von 17.00-18.30 Uhr mit der Wohnberatung des Kreises Steinfurt.
Beim „Pedelecs-Kurs – sicher auf dem Elektrofahrrad“ am 31. Mai von 14.30 bis 18 Uhr gibt die Verkehrswacht Steinfurt theoretische und praktische Tipps für die Sicherheit und entspanntes Fahren.
Wichtige Informationen, Formblätter, Patientenverfügung und Vorsorgevollmachten sind in einer Vorsorgemappe zusammengefasst, die im MGH für 5 Euro erhältlich ist.
Eine immer älter werdende Gesellschaft fordert besondere Maßnahmen. Saerbeck reagiert darauf mit der Einrichtung der „Anlaufstelle für Senioren“. Es geht um Beteiligung der Bürger und um Entwicklung bedarfsgerechter Angebote für ein selbstbestimmtes Leben und Wohnen Im Alter. Ziel ist mehr Lebensqualität.

Weitere Infos: Tel.(02574)8666 oder mgh@kolping-saerbeck.de.

 


Oase der Ruhe in der Stadt

Wer ein Refugium der Ruhe und Entspannung sucht, ist in der Stadtbibliothek, Kirchstraße 40, bestens aufgehoben.
Neben dem großen Angebot an Romanen, Sachbüchern und Medien der verschiedensten Art lockt in den gediegenen Räumen der alten herrschaftlichen Villa besonders das lichtdurchflutete Lesecafé zum Verweilen und auch zum Leute treffen. Hier kann man in Muße seinen Kaffee trinken und dabei die Zeitung lesen oder in den unzähligen Zeitschriften blättern.
Angeboten werden weiterhin eine Beratung rund um das Lesen und Leihen der Bücher und anderer Medien, mehrere Internetarbeitplätze, frei verfügbares WLAN, Tablets und die verschiedenen Ratgeber für Angehörige oder Beteroffene zum Thema Alter, Pflege und Demenz.

Weitere Informationen gibt es unter: Tel. 92 29 00, auf der Facebookseite der Bibliothek sowie unter: www.emsdetten.de/stadtbibliothek

 


Kino für Senioren

Kaffee und ganz große Leinwandfilme

Einmal im Monat gibt es im Cinetech, Bahnhofstraße, ein besonderes Event: Seniorenkino. Der Nachmittag beginnt um 14 Uhr mit einem Kaffeetrinken. Die Filmvorführung mit jeweils ausgesuchten aktuellen Filmproduktionen startet um 15 Uhr. Zur Einstimmung erhält man vor Filmstart interessante Hintergrundinformationen zum jeweiligen Film. Für den Nachmittag wird ein pauschaler Betrag (für Bewirtung und Kino) von 6,50 Euro pro Person erhoben.
Der Film am 27. April 2017 ist: „Willkommen bei den Hartmanns“. In seiner neuen Komödie widmet sich Simon Verhoeven der Familie Hartmann, deren Probleme herrlich eskalieren, als Mutter Angelika gegen den Willen ihres Mannes beschließt, den Flüchtling Diallo aufzunehmen. Inmitten aller Wirrungen und Turbulenzen des normalen Wahnsinns unserer Zeit bleibt nur die Hoffnung, dass die Familie ihre Stabilität, Zuversicht und ihren Frieden wiederfindet. Das Kino ist barrierefrei zu erreichen.

Weitere Infos: www.senioren-emsdetten.de/seniorenkino

 


Gegen die Einsamkeit

Die Ortsnahen Alltagshilfen Emsdetten-Sinningen wollen miteinander den Lebensalltag gestalten. Dabei haben sie natürlich auch die älteren Menschen besonders im Fokus. Sie fördern soziale Kontakte nach innen und außen und möchten einer etwaigen Vereinsamung entgegenwirken, um so den Lebensabend in der vertrauten Umgebung zu gewährleisten. Für die 1. Vorsitzende, Birgitt Weber, und die 2. Vorsitzende, Ingrid Ebbeler, ist dabei das Landstück zwischen der Innenstadt und Sinningen ein kleines Hindernis, die Emsbrücke jedoch eine Einladung für alle, an den Aktivitäten des Vereins teilzunehmen. Das Angebot ist vielfältig und interessant. Besonders der regelmäßige Seniorennachmittag und die Kreativgruppen in den Vereinsräumen Ketteler Straße 2 finden große Beachtung.

Weitere Infos: Birgitt Weber, Tel. 82663
www.ortsnahe-alltagshilfen.de

 


„Schatzsuche statt Fehlerfahndung“

Psychomotorische Gesundheitsförderung im Pflege- und Betreuungsalltag

Ein besonderes Koch- und Backangebot fördert die Sinne (Foto: Lindengrund)

„Wer rastet der rostet“, sagt der Volksmund. Und es ist wissenschaftlich belegt, dass Bewegung eine präventive Wirkung hat. Aber gilt das auch für Bewohner eines Seniorenzentrums? JA! Jasmina Jäger, Sozialpädagogin im sozialen Dienst vom Haus Lindengrund, erklärt warum.
„Dieses Sprichwort gilt vor allem für ältere Menschen! Denn im Alter lassen die Beweglichkeit und die Sinne langsam nach, weil sie im Alltag immer seltener gefordert werden. Es ist daher besonders wichtig, die körperliche Fitness älterer Menschen gezielt zu trainieren, denn sie bestimmt maßgeblich die Selbstständigkeit im Alltagsgeschehen.
Doch: Wie halten sich die Bewohner im Seniorenzentrum fit bis ins hohe Alter? Im Haus Lindengrund bieten wir dazu für unsere mobileren Bewohner Gymnastikrunden, Sitztänze und Sturzprävention an.
Bei diesen Angeboten geht es um die Freude an der Bewegung, die Schulung des Gefühls für den eigenen Körper und darum, seine eigenen körperlichen Fähigkeiten richtig einzuschätzen. Die Übungen haben eine positive Wirkung auf Körper, Geist und Seele, beugen zahlreichen Alterskrankheiten vor und sind damit sehr wirksame Maßnahmen zur Gesunderhaltung.

Doch nicht alle Bewohner sind noch so beweglich, um an den Gymnastikübungen teilnehmen zu können, denn manche sind zum Beispiel ganz auf den Rollstuhl angewiesen. Wenn jede Bewegung schwer fällt oder sogar schmerzhaft ist, dann kann Gymnastik die Betroffenen auch leicht überfordern und frustrieren. Und genau das wäre verkehrt, denn die Bewegung soll ja schließlich Freude machen.
Dafür bieten wir je nach Bedarf auch verschiedene psychomotorische Übungen an. Die Psychomotorik schaut nicht auf vermeintliche körperliche Einschränkungen eines Menschen. Denn mit seiner fehlenden Beweglichkeit wird der Betroffene in seinem Alltag ohnehin ständig konfrontiert. Die psychomotorische Gesundheitsförderung schaut auf Stärken und Fähigkeiten jedes Einzelnen. „Schatzsuche statt Fehlerfahndung“ – so die Devise.

Das Haus Lindengrund bietet für die mobileren Bewohner Gymnastikrunden, Sitztänze und Sturzpräventation an. (Foto: Lindengrund)

Im Pflege- und Betreuungsalltag ist aus Erfahrung besonders der Bereich interessant, der sich mit „basaler Stimulation“ beschäftigt – also dem Ansprechen und Aktivieren der körpereigenen Sinne (riechen, schmecken, sehen, tasten, hören).
Werden die Sinne durch angenehme Reize wie z.B. Bewegung, frische Luft, bequeme Kleidung, schöne Musik, wohltuende und anregende Düfte, angenehme Berührungen, leuchtende Farben, Licht usw. positiv angesprochen, so wird auch das Wohlbefinden gestärkt und die Gesundheit gefördert.
Eine Möglichkeit ist zum Beispiel ein besonderes Koch- und Backangebot, bei dem Körper und Sinnesempfindungen der Teilnehmer unter Anleitung ganz gezielt gefördert werden. Denn beim Kochen und Backen muss es nicht bloß um reine hauswirtschaftliche Tätigkeiten gehen. Vielmehr kann auf natürliche Art und Weise der ganze Körper mit all seinen Sinnen einbezogen und angesprochen werden.
Auch schon das Kartoffelschälen oder Teigkneten aktiviert zum Beispiel die Hände und hält diese geschmeidig.
Und nach all der getanen Arbeit und dem Stolz über das selbst zubereitete Mahl, schmeckt das Essen umso besser! So wird auch der Geschmackssinn gestärt, der Appetit angeregt, das Wohlbefinden gesteigert und letztlich die Gesundheit gefördert.

Durch solche gezielte Übungen wird ein Zugang zu den vielfältigen Ressourcen unseres Körpers geschaffen, die ein jeder von uns  ein Leben lang  in sich trägt.
Für die Betreuung im privaten oder auch stationären Bereich bietet das Konzept der Psychomotorik damit viele Therapiemöglichkeiten, die in den Alltag eingebunden werden können und sich in der Betreuung unserer Bewohner im Seniorenheim aus Erfahrung bewährt haben.“

 


Tradition und Geschichte

Zeitreise auf dem Denkmalpflege–Werkhof

Sich von historischen Baumaterialien jenseits der 50plus inspirieren zu lassen, eine Zeitreise machen, ganz in der Nähe? Das geht auf dem Denkmalpflege-Werkhof. Den Anstoß zur Gründung des gleichnamigen eingetragenen Vereins lieferte die Restaurierung der Hollicher Windmühle zwischen 1985 und 1988.
Es sollte so viel wie möglich an originaler Bausubstanz verwendet werden. Diese war kreisweit kaum erhältlich. Das Projekt stellte sich als eine Zwickmühle heraus, aus der das heutige Areal entstand.

Das Flair des Alten spiegelt Tradition und Geschichte wider. Als Besucher des Denkmalpflege Werkhofes gerät man ins Schwärmen beim Anblick von Klinker in Reichsformat oder Ibbenbürener und Bentheimer Sandstein. Handwerks- und Bautechniken sind stets gegenwärtig, jeder Baustoff erzählt seine Geschichte. Im Sortiment befinden sich außerdem Eichenbalken, Dachpfannen, Fliesen, Türen, Fenster und Türbeschläge. Das Sortiment hängt von den aktuellen Abrissprojekten des Hofes ab. Es kann durchaus mal ein hundert Jahre alter Kamin dabei sein oder Türen aus der Gründerzeit.

Wer wirft schon gerne die Arbeitsleistung seines Großvaters auf den Schutt? Durch den behutsamen Rückbau alter Gebäude und die Aufbereitung historischer Baumaterialen wird klassische Handarbeit ressourcenorientiert modern erlebbar. Die Zusammenarbeit erfolgt mit öffentlichen und privaten Partnern, deren hohe Wertschätzung sich gegenüber dem regionalen Handwerk und den z.T. von Hand geformten Baumaterialen der ersten Stunde ausdrückt.

Derzeit schwappt die Retrowelle über den Hof. Bauherren, Architekten und Künstler verbinden Altes mit Neuem in Haus und Garten – Individualität rückt wieder in den Vordergrund. Anfragen kommen aber auch aus der Filmszene. Die Kulisse des Filmes Pettersson und Findus kommt nicht ohne den Denkmalpflege-Werkhof aus.

 


Das Team hinter dem Hof

Wer arbeitet auf dem Denkmalpflege-Werkhof e.V.?

Derzeit zählen zehn hauptamtliche Angestellte zur Stammbelegschaft. Die Aufgabenfelder umfassen von A wie Arbeitsanleitung bis Z wie Zertifizierung. Der Denkmalpflege-Werkhof bietet zweierlei Möglichkeiten der Beschäftigung. Zum einen die AGH (Arbeitsgelegenheit), zum anderen den Kombilohn.
Über die AGH Maßnahme des Jobcenters des Kreises Steinfurt kommen 36 Männer und
Frauen. Während die Arbeitsgelegenheit die räumliche Anbindung an den Denkmalpflege Werkhof e.V. bedingt, visiert Kombilohn bereits Firmen aus Industrie und Wirtschaft als Partner an.
Die  Arbeitsorte sind der Denkmalpflege-Werkhof in Steinfurt und unterschiedliche Einsatzorte im Kreis Steinfurt. Außerdem leisten Kurzzeitkräfte ihre auferlegten Sozialstunden ab.
Willkommenskultur ist am Denkmalpflege Werkhof e.V. kein Modewort. Passend zum großen Hoffest im September 2016 wurde das Sonderprogramm „Bundesfreiwillige mit Flüchtlingsbezug“ am Denkmalpflege Werkhof e.V. aufgenommen.
„Unsere ersten Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive unterstützten uns an diesem Tag tatkräftig. Wir sehen in Arbeit und Beschäftigung einen zentralen Ansatz für die Entwicklung der Teilnehmer/innen“, so die Verantwortlichen: „Unser Ziel ist, die Teilnehmer/innen wieder an Arbeit zu gewöhnen, notwendige Arbeitstugenden zu fördern, die Leistungsbereitschaft zu steigern und realistische Meilensteine in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit und die Erfordernisse des Arbeitsmarktes zu erarbeiten. Im Bewerbungsprozess bestärken wir die Arbeitssuchenden, eigenständige Entscheidungen für ihre berufliche Zukunft zu treffen.“  
Neben der Vermittlung handwerklicher Kenntnisse und der Förderung der Sozialkompetenz kommt der sozialpädagogischen Begleitung der Teilnehmer/innen eine besondere Bedeutung zu.  
Alltagsfragen jeglicher Art werden lösungsorientiert bearbeitet.
„Der Mensch wird in seiner Gesamtheit gesehen und wertgeschätzt, um eine langfristige Wiedereingliederung am ersten Arbeitsmarkt gewährleisten zu können“, betonen die  Zuständigen in einer Presseinformation.

 


Vom Projekt ins Regal

Alte Apfelsorten im neuen Gewand

Im September 2016 lud der Denkmalpflege-Werkhof e.V. zum ersten Mal zu einem Hoffest ein und öffnete die Tore für interessierte Besucher.
Neben den ursprünglichen Aufgaben der Bauniederlegung und der Aufbereitung der historischen Baumaterialen kam das jüngste Standbein des Hofes zur Geltung. Es handelt sich um die Produktionsstätte für Trockenobst in Bioland-Qualität.
Die Äpfel hierfür werden auf zertifizierten Flächen im gesamten Kreis Steinfurt gepflückt, von Hand verlesen, gewaschen und ohne Zusätze schonend getrocknet. Derzeit werden Bio-Apfel-Chips und Schoko-Apfel-Knusperlis in Zartbitter und Vollmilch angeboten.
Bei Schoko-Apfel-Knusperlis werden getrocknete Bio-Apfel-Würfel mit Belgischer Schokolade ebenfalls in Bio Qualität veredelt.
Doch auch bei der Apfelverarbeitung ist der Denkmalpflege Werkhof e.V. voll auf „Denkmalschutz“  eingestellt. DieTätigkeit leistet einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der münsterländischen Kulturlandschaft.
Nutzung und Pflege gewährleistet deren Fortbestand und sichert den natürlichen Lebensraum heimischer Fauna und Flora.  
„Alte Apfelsorten mit festem Fruchtfleisch eignen sich besonders für die bunte Mischung unserer Apfelprodukte“, erläutert Adrienne Lapointe, Sozialarbeiterin beim Denkmalpflege-Werkhof e.V. in Steinfurt.
Auf einer Fläche von 44.000 Quadratmetern wurden mehr als 300 Apfelbäume  
gepflanzt. „Keine der gepflanzten Apfelsorten finden Sie im Supermarkt Regal“, so Lapointe, die auf noch eine wichtige Funktion hinweisen kann: „Die lokale Bienenzucht  
unterstützt und fördert die Bestäubung der Obstbäume“, erklärt die Sozialarbeiterin. „In drei bis vier Jahren werden sie richtig zum Tragen kommen – der Dülmener Rosenapfel oder die verschiedenen Arten der Renetten neben Kardinal von Bea und viele weitere“, verspricht sie.
Wer nicht bis dahin warten will, probiert einfach das Bio-Trockenobst.

 


Schönheit aus Harmonie

Heinrich Neuy Bauhaus Museum Borghorst/Sonderausstellung zu Gunta Stölzl
von Bärbel Weßling

Behutsam restauriert ist das Heinrich Neuy Museum in Borghorst ein Kleinod im Kreis (Foto: Weßling)

Ein weiteres Kleinod ist das Heinrich Neuy Bauhaus Museum in Steinfurt-Borghorst, Kirchplatz 5.
Das erstmals im Jahre 1668 erwähnte Stiftskurierhaus wurde behutsam restauriert und durch einen dreigeschossigen Glasanbau zum Garten hin erweitert. Im Erdgeschoss befinden sich ein Museumsshop und ein Restaurant/Café.
Das Museum, das auch die Stiftsbibliothek des ehemaligen Kanonissendamenstiftes Borghorst mit insgesamt 1147 Bänden beherbergt, möchte den Betrachter in die Welt des Bauhauses mitnehmen.
Bis heute beeinflusst diese ungewöhnliche Epoche viele Bereiche, ihre Merkmale sind kurz auf einen Nenner gebracht: Formschön, praktisch, vollkommen schnörkellos.
Der Gründer der Bauhaus, Walter Gropius, beschrieb seinen Ansatz so: ”Nur vollkommene Harmonie sowohl in der technischen Zweckfunktion wie in den Proportionen der Formen kann Schönheit hervorbringen.“
Heinrich Neuy, ein großer Vertreter dieses Stils,  wurde 1911 in Kevelaer geboren. Nach Abschluss einer Tischlerlehre wechselte er zur Kunstgewerbeschule nach Krefeld über. In den Jahren 1930-1932 studierte er am Bauhaus in Dessau u.a. bei Kandinski, Albers und van der Rohe.
Im Jahre 1932 übernahm er die Tischlerei seines Schwiegervaters in Borghorst, wohin er auch nach seiner Zeit als Soldat wieder zurückkehrte.
Nun nahm er seine Ausstellungstätigkeit wieder auf und die Idee der „Beweisenden Malerei“.
1970 wurde er Mitglied im Welberger Kreis, 1996 erhielt er den Kulturpreis des Kreises Steinfurt. Im Jahre 2003 verstarb Heinrich Neuy. Der Stadt Borghorst und vielen engagierten Bürgerinnen und Bürgern war es ein Anliegen, ihrem großen Mitbürger ein Denkmal zu setzen; so konnte im Jahre 2011 in den alten Räumlichkeiten des Damenstiftes das liebevoll gestaltete Museum mit einer Auswahl seiner Werke eröffnet werden.
Die aktuelle Ausstellung zeigt einen Überblick über das gesamte Lebenswerk der Künstlerin Gunta Stölzl (1897-1983). In einer Zeit, in der es vornehmlich Männern vorbehalten war, berufliche Erfolge zu erreichen, gelang es allein ihr als Frau, den Titel „Bauhaus-Meister“ zu erlangen.
1919 kam sie an das Weimarer Bauhaus und blieb insgesamt 12 Jahre dort, als Studentin, Gesellin, Werkmeisterin und schließlich ab 1926 in Dessau als Leiterin der Weberei. 1931 musste sie Deutschland verlassen und produzierte in der Schweiz als selbständige Handweberin Stoffe und textile Objekte.
Die interessante Ausstellung zeigt einen Überblick über das gesamte Lebenswerk Gunta Stölzls: Frühe Zeichnungen, Web-Entwürfe und Wandbehänge, Gebrauchstextilien und Stoffe.
Die Sonderausstellung dauert bis zum 14. Mai 2017 und ist unbedingt einen Besuch wert.
Geöffnet: Mo bis Fr und So 11 bis 17 Uhr.
Im Anschluss daran sollte man im gemütlichen Restaurant Kaffee und Kuchen und den wunderschönen Blick in den alten Garten genießen und sich über das Gesehene austauschen.

Weitere Infos:
Tel. 02552 9958309
www.hnbm.de

 


Frühlingsfisch

Maischolle schmeckt in vielen Varianten: Finkenwerder Art ist ein Klassiker

Die Scholle, ebenso wie Seezunge, Flunder und Heilbutt, gehört zu den Plattfischen. Besonders im Frühling hat sie als Maischolle Hochsaison, wird aber oft schon im April verkauft. Dann ist das Fleisch der jungen Scholle angeblich besonders zart und aromatisch.
Früher, als es noch keine Fangquoten für Schollen gab, wurde insbesondere im Mai rund um Helgoland nach Jungschollen gefischt. Daher stammt der Name „Maischolle“.

Beim Einkauf sollte man beachten, dass nur etwa die Hälfte des Gewichts einer Scholle –  Maischollen wiegen etwa 350 Gramm –  für die Zubereitung nutzbar ist. Der Rest (Kopf, Schwanz und Gräten) ist Abfall oder wird zur Herstellung von z.B. Fischfond benutzt.
Besonderer Wert sollte auf Frische gelegt werden, die man auf der Augen-Seite des Fisches beurteilen kann. So erkennt man frische Schollen an leuchtend roten Kiemen, silbrig glänzenden Filets sowie klaren Augen.

Zwei der beliebtesten Rezepte sind die „Scholle Finkenwerder Art“ und „Scholle Büsumer Art“, bei der auf Speck verzichtet und die Scholle mit Krabben, Lauchzwiebeln, Zitrone und Röstzwiebel-Butter verfeinert wird.
Die „Finkenwerder Scholle“, wohl das bekannteste Schollenrezept, ist nach der Hamburger Halbinsel Finkenwerder benannt.
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Rezept für die „Scholle Finkenwerder Art“

Zutaten für 2 Portionen:   
•  2 Schollen, küchenfertig, ohne Kopf à 400 g
•  Saft einer ½  Zitrone
•  Mehl, zum Wenden
•  Butterschmalz, (bei Bedarf)
•  Salz und Pfeffer                                                                                             
•  75 g Speck (Frühstücksspeck)
•  ½ Bund  Dill                                                                                            
•  1 Zwiebel
•  ½  Zitrone, unbehandelt                                                                                 

Zubereitung:
Die Schollen von Kopf, Schwanz und Seitengräten befreien. Dann gründlich waschen, trocken tupfen und mit Zitronensaft beträufelt 10 Min. ziehen lassen.
Inzwischen den Speck fein würfeln, die Zwiebel in dünne Ringe und den Dill fein schneiden.
Die Speckwürfel in einer Pfanne bei mittlerer Hitze knusprig auslassen, dann die Zwiebelringe zugeben und kurz mitbraten, anschließend warm stellen.
Die Schollen  mit Salz und Pfeffer würzen, in Mehl wenden und nacheinander im Speckfett (falls das Speckfett nicht reicht, noch etwas Butterschmalz zugeben) bei mittlerer Hitze zuerst die helle Seite in etwa 3-4 Min. goldbraun braten, dann vorsichtig wenden und auf der anderen Seite ebenfalls goldbraun braten. Die Schollen auf Tellern anrichten und mit Dill und Zitronenspalten garnieren. Die Speck-Zwiebel-Mischung  nochmals im Bratfett erhitzen und auf den Schollen verteilen.

Guten Appetit!

 


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