Sterbehilfe — Ja oder Nein ?

  • bea

    #5755

    Über die Sterbehilfe wird im Bundestag schon lange debattiert, jetzt soll ein Gesetz Klarheit schaffen.
    Gewerbsmäßige Geschäftemacherei zur Sterbehilfe soll verboten werden. „Mein Tod gehört mir“ soll es nach schweizerischem Vorbild bei uns nicht geben Die Debatte über die Sterbehilfe war nach einem Aufruf des Ex-MDR Intendanten Udo Reiter entstanden, ein selbstbestimmtes Lebensende zu ermöglichen. Ex-Vizekanzler Franz Müntefehring spricht sich jedoch dagegen aus. Wie stehen sie zur Sterbehilfe ?

    Hanna

    #5843

    Ein selbstbestimmtes Lebensende darf es nicht geben. Auch einen selbstbestimmten Lebensanfang gibt es nicht. Beides macht nach meiner Meinung das Menschsein aus.
    Als Patient hat man heute die Möglichkeit, die Grenzen der medizinischen Lebenserhaltung im Krankheitsfall zu bestimmen. Und man sollte es rechtzeitig in einer Patientenverfügung tun, wenn man geistig noch dazu in der Lage ist. So kann man das Maß und die Dauer lebenserhaltender Maßnahmen selbst bestimmen und für ein menschenwürdiges Sterben sorgen.
    Das bewusste Herbeiführen des eigenen Todes mit Hilfe Fremder irgendwo in einem Schweizer Hotelzimmer ist dagegen für mich absolut menschenunwürdig. Es kann dazu führen, dass moralische Dämme brechen. Heute bestimmen diese Menschen noch selbst, dass aktive Sterbehilfe geleistet wird. Der Schritt dahin, dass in bestimmten Situationen andere darüber entscheiden, dass das Leben zum Beispiel Kranker enden sollte, ist dann nicht mehr weit.
    Trotz meiner Überzeugung meine ich aber auch, dass Menschen, die partout freiwillig aus dem Leben scheiden wollen, dies lieber in einem Schweizer Hotelbett tun sollten als auf Eisenbahnschienen irgendwo in Deutschland. Denn diejenigen, die in der Schweiz die notwendige Hilfe leisten, werden moralisch besser damit fertig als die bedauernswerten Lokomotivführer hierzulande.
    Die Schweiz mag in manchen Dingen Vorbild sein, aber auf diese Schweizer „Errungenschaft“ können wir gern verzichten. Das ist meine Meinung hierzu.

    Schnitker

    #5845

    Ich sehe das etwas anders. Nach meiner Meinung sollte jeder über sein Lebensende selbst bestimmen dürfen. Solange Patientenverfügungen von Ärzten noch einfach ignoriert werden können(habe ich selbst erleben müssen), ist das nur der halbe Weg. Und der Weg in die Schweiz wäre auch ggf. für mich eine Möglichkeit. Aber leider ist der Weg zur nächsten Eisenbahnschiene kürzer als der in die Schweiz. Das wäre anders, wenn es diese Möglichkeit auch hier geben würde!

    gernot

    #5860

    Ich stimme Hanna zu. Menschenwürdiges Sterben ist mit der modernen Medizin möglich. Auch wenn Schnitker andere Erfahrungen machen musste.
    Den Prozess des Sterbens mit der Hilfe anderer Menschen aktiv einzuleiten, das ist für mich der entscheidende Unterschied. Ich finde es in Ordnung, wenn Ärzte den natürlich begonnenen Vorgang des Sterbens durch Medikamente erträglicher machen. Oder wenn sie es unterlassen, das Leben mit allen Mitteln um ein paar Tage zu verlängern, wo der Vorgang des Sterbens unumkehrbar ist.
    Unerträglich finde ich es dagegen, wenn das Sterben durch aktives Handeln eingeleitet wird. So etwas sollte bei uns nicht erlaubt sein. Ohne wenn und aber.

    DieterTillmann

    #6122

    Sterbehilfe, ein sehr heikles Thema, bei dem es sehr schwer fällt, sachlich zu bleiben.

    Auch wenn ich Hanna nicht in allen Punkten folgen kann, so muss ich ihr bei dem Punkt Suizid auf Bahngleisen absolut Recht geben.
    Aber wer von uns kann sich schon in die Lage eines Menschen versetzen, der keinen anderen Ausweg als die Selbstötung für sich sieht? Ihm ist es vermutlichletztlich egal, welche Folgen sein Tod für andere hat.
    Wollen wir ihn dafür verurteilen?

    Die Entscheidung seinem Leben ein Ende zu setzen, die sollte meiner Meinung nach, jeder für sich selber treffen dürfen. Und wenn dieser Mensch durch seine unheilbare Krankheit nicht mehr in der Lage ist, diesen Schritt alleine tun zu können, dann sollte der Mensch, der ihm dabei passiv behilflich ist, nicht strafrechtlich verfolgt werden.

    Hoffen wir für uns alle, dass wir einen menschenwürdigen Tod am Ende unseres Leben haben werden. Egal wie er dann aussieht.

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