Wo bleibt unsere Zeit…

Lange freut man sich auf das Rentnerdasein, und wenn es soweit ist, hat man meistens weniger Zeit als vorher. Woran liegt das? Eine Art Selbsttest bringt es an den Tag. Ich springe nicht mehr um 6.00 Uhr aus dem Bett, vom Springen bin ich sowieso schon 10 Jahre entfernt. Also sortiere ich vor dem Aufstehen meine Knochen und mein Gehirn. Da das Arbeitsleben nicht mehr ruft, gönnt man sich schon mal 1-2 Stunden mehr Schlaf bzw. verschiebt den Schlaf. Die interessanten Fernsehsendungen kommen oft spät am Abend.

Dann wird ausgiebig gefrühstückt und die Zeitung gründlicher gelesen als früher. Die Abstimmung des Tagesablaufs mit dem Partner nimmt  eine nicht unerhebliche Zeit in Anspruch. Er findet staubsaugen überflüssig und die Fenster sind doch noch sauber, außerdem soll es morgen regnen. Zwischendurch machen sich die Handys bemerkbar – es kommen Whatsapp-Nachrichten von Freunden, die natürlich auch gleich beantwortet werden. Dann erstmal schauen, ob jemand sich für unseren Shop im Internet interessiert. Und nicht vergessen: E-Mails checken. Lange nichts von der Tochter gehört – einen Tee kochen und mal hören, was es bei den Enkelkindern Neues gibt.

Mittlerweile ist die Sonne da und wir machen eine kleine Radtour – alles andere kann warten, schließlich scheint JETZT die Sonne. Gegessen haben wir auch noch nichts, im Alter braucht der Körper auch nicht mehr so viel. Davon muss ich meinen Mann aber noch überzeugen. Aber jetzt gibt es erstmal Kaffee und Kuchen und wieder Whatsapp 🙂 . Dann ruft eine Freundin an und wir tratschen über Gott und die Welt –  mein Mann sitzt vorm Laptop.

Nun müssen wir uns nur noch einig werden: erst Garten oder erst einkaufen. Eigentlich sollten nur Lebensmittel für das Abendessen eingekauft werden, aber wir müssen doch noch ins Gartencenter. Es fehlt noch ein wenig Dünger und eine neue Rosenschere.  Der Einkauf dauert… Zuhause stellen wir fest, die Gartenarbeit muss warten – morgen ist auch noch ein Tag. Es wird gekocht – ein neues Rezept ausprobiert – dauert natürlich alles etwas länger… Und für morgen steht ja schon die Gartenarbeit auf dem Plan :-).

Wo bleibt denn nun unsere Zeit?  Ein bisschen Zeit brauchen wir, weil alles nicht mehr ganz so flott geht – neue Rezepte ausprobieren – mehr lesen – spontan einen Bummel durch Münster machen – eine neue Sportart ausprobieren – ein Ehrenamt –  Enkelkinder – Reisen  usw.

Alle sind wahnsinnig beschäftigt. Meine Freundinnen und ich  haben neulich festgestellt: als wir alle berufstätig waren, haben wir uns öfter getroffen als jetzt. ???

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1 Kommentar

  1. Anke, ein sehr schöner Artikel. Also: genießen wir weiterhin unser schönes Rentnerdasein.

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