Kirchen- und Küchengeheimnisse

Mein Onkel Clemens, Bruder meines Vaters, gehörte zum Orden der Oblaten. In Groß-Burlo gibt es heute noch das Kloster, inzwischen ist es das Gymnasium Mariengarden. Onkel Clemens ging nach seiner Professur nach Ottawa/Kanada und gründete dort die deutsche Gemeinde. Auch gab er Vorlesungen an der Uni in Ottawa.

Ich erwähne den Werdegang, damit man einschätzen kann, welches Ansehen er dadurch hatte. Fast 2 x wöchentlich wurde er von Familien zum Essen – natürlich deutsch – eingeladen. Dann gab es Hochzeitssuppe, Braten, einfach immer das Beste vom Besten.

Ich hatte guten Briefkontakt – per Luftpost – zu meinem Onkel, alle drei Jahre durfte er nach Deutschland zu Besuch kommen, gewohnt hat er natürlich im Kloster Mariengarden in Burlo. Kurz vor seiner Ankunft schrieb er eine Bitte: „Beate, du wirst mich sicher auch wie immer einmal zum Essen einladen, zusammen mit Pater Superior, so war es jedes Mal. Bevor du dir Gedanken machst, was du kochen sollst, habe ich eine Bitte: Grünkohl-Eintopf, wie Oma ihn immer gemacht hat.”

Na ja, so fit war ich ja auch noch nicht im Kochen, habe es 2-3 mal mit kleinen Änderungen probiert, es hat geklappt. Dann kam der große Tag, mein Mann hat die hohen Herrschaften abgeholt, zur Begrüßung gab es natürlich zuerst einen Münsterländer Korn. Zum Grünkohl war ein Bier gewünscht, und los ging es. Einen großen Topf voll hatte ich gemacht. Dazu geräucherte Rippchen, Mettwurst und dicke Rippe.

Es schmeckte einfach herrlich, wir haben uns noch lange unterhalten. Das ein oder andere Schnäpschen wurde auch noch zur Verdauung getrunken. So ging ein gemütlicher Abend zu Ende und ich war mächtig stolz auf meinen ersten Grünkohl Eintopf. Am nächsten Mittag, ich kam gerade von der Arbeit, rief mich Pater Superior an, bedankte sich nochmal für das leckere Essen.

Allerdings gab er mir noch einen guten Rat mit auf den Weg, 😆 eine perfekte Gastgeberin zu werden: Beate, zu einem richtigen Essen gehört eigentlich auch ein schöner Nachtisch. 😯
Das versuche ich bis heute zu beachten.

Satt heißt nicht, dass kein Pudding mehr hinein passt.

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