Kreuzfahrt durch die Ostsee

Die Erlöserkirche in St. Petersburg

Ich weiß nicht, was mich mehr begeistert hat: das Erlebnis einer Kreuzfahrt auf einem nagelneuen Schiff oder die Landgänge in Danzig, Klaipeda, St. Petersburg, Tallinn und Stockholm. Beide Aspekte einer Kreuzfahrt waren für unsere Reisegruppe, bestehend aus drei Paaren, faszinierend und aufregend. Aber der Reihe nach.

Für unsere Kreuzfahrt hatten wir uns das „Mein Schiff 5“ der TUI-Flotte ausgesucht. Zum Zeitpunkt unserer Reise war es gerade mal zwei Wochen her, dass Lena Meyer-Landrut (Sie wissen schon: die junge Sängerin, die 2010 den Eurovision Song Contest gewann) dieses Schiff vor Travemünde getauft hatte.

Los ging’s in Kiel. Wir waren schon ein wenig sprachlos, als wir vor dem riesigen Schiff standen, um einzuchecken. 295 Meter lang mit 15 Decks, wir kamen uns richtig klein vor. Meine anfängliche Sorge, als Kreuzfahrt-Neuling die Orientierung auf den Decks und langen Gängen zu verlieren, erwies sich als grundlos. Eine gute Kennzeichnung der verschiedenen Bereiche und viele Info-Tafeln trugen dazu bei, dass wir uns schon nach einem Tag problemlos zurechtfanden.

Unsere „Kabine“ war ein 17 qm großer Raum, sehr hell, sauber und komplett ausgestattet. Es fehlte an nichts: vom Tresor über ein großes TV-Gerät bis hin zum Föhn war alles vorhanden. Es gab mehr als genug Stauraum. Die Kabine wurde zweimal täglich, morgens und am späten Nachmittag, gereinigt.

Das Angebot in den zahlreichen Restaurants war einfach überwältigend, und zwar was die Vielfalt und die Qualität betrifft. Man konnte rund um die Uhr sicher sein, irgendetwas essen oder trinken zu können. Das Personal war sehr höflich, immer gut gelaunt und ausgesprochen international.

Unsere Reiseroute (Quelle: TUI Cruises)

Der erste Landgang war in Danzig. Wir hatten eine Führung durch die Innenstadt gebucht. Mit dem Bus fuhren wir ab Gdingen, dem Seehafen vor den Toren Danzigs, über das bekannte Ostseebad Sopot in die alte Hansestadt. Es war Markttag bei wunderbarem Wetter, die Innenstadt war eh schon voller Menschen, und einige Touristengruppen (so wie wir) kamen noch hinzu. Da war es manchmal schon schwierig, gute Fotos zu machen und gleichzeitig den Worten unserer Reiseleiterin zu lauschen.

Einige Fotos mit den nötigen Erklärungen finden Sie in der Galerie auf dieser Seite. Das gilt für alle Landgänge, die wir unternommen haben.

Um 18:00 Uhr ging es weiter in Richtung Klaipeda (Litauen), das wir am nächsten Morgen erreichten. Klaipeda hieß einst Memel und war die nördlichste Stadt Deutschlands. Wir schauten uns den Hafen und Teile der Innenstadt an, anschließend zog es uns auf die Kurische Nehrung, die in Klaipeda beginnt. Sie ist 98 km lang, sehr schmal und trennt das Kurische Haff von der Ostsee.

Nach einem weiteren Seetag erreichten wir am frühen Morgen St. Petersburg, die mit fünf Millionen Einwohnern zweitgrößte Stadt Russlands. Hier hatten wir zwei Tage Zeit, in geführten Gruppen Sehenswürdigkeiten der alten Zarenstadt zu besichtigen. Wenn man kein Visum für die Russische Förderation hat, kann man nicht individuell an Land gehen. Dann darf man nur als Teilnehmer an einem organisierten Landausflug das Schiff verlassen und über ein Terminal direkt neben dem Schiff, in dem der Reisepass gründlichst begutachtet wird, russischen Boden betreten. Wir hatten drei Landgänge gebucht. Eine Busfahrt führte uns an verschiedene touristisch interessante Orte in St. Petersburg, wo wir aussteigen und fotografieren durften. Abends nahmen wir an einer Bootsfahrt auf der Newa statt, hatten allerdings das Pech, dass wir nur noch einen Platz unter Deck bekamen. Das war für’s Fotografieren natürlich recht ungünstig, wegen der Sicht auf die Museen und Paläste aus einer anderen (Wasser-)Perspektive aber durchaus reizvoll.

Am zweiten Tag in St. Petersburg besuchten wir per Bus die rund 30 km entfernte Stadt Peterhof. Ziel war das prächtige Schloss Peterhof, die Sommerresidenz der russischen Zaren, direkt am Finnischen Meerbusen gelegen. Wir wurden durch die verschiedenen Räume der Palastanlage geführt, durften allerdings keine Fotos machen. Das wäre ohnehin sehr schwierig gewesen, weil ein dichtes Gedränge unterschiedlicher Reisegruppen herrschte. Es stimmte schon nachdenklich zu sehen, in welch verschwenderischer Pracht die russischen Herrscher die wenigen Sommermonate verbrachten.
Ein besonderes Highlight war die Parkanlage des Schlosses, die auch als russisches Versailles bezeichnet wird, mit ihren großartigen Kaskaden und Wasserspielen. Gold und Wasser – das sind die prägenden Elemente des unteren Teiles des Parkes.

Die estnische Hauptstadt Tallinn, unser nächstes Reiseziel, präsentierte sich mit ihrem mittelalterlichen Charme komplett anders als das pompöse St. Petersburg. Wir besuchten die historische Innenstadt, wo auf relativ kleinem Terrain viele Sehenswürdigkeiten auf die Touristen warten. Es gibt viele romantische Straßenzüge und Gassen, zur Hauptreisezeit ist die Stadt aber auch voller Touristen. Für eine Fotoreise ist die Stadt deshalb im Frühjahr oder Spätsommer lohnender.

Stockholm war vor der Rückreise nach Kiel unser letztes Reiseziel. Man erreicht die schwedische Metropole von der Ostsee aus, indem man den Schärengarten durchfährt. Dafür kommt ein Lotse an Bord, denn es geht manchmal recht eng zu zwischen all den tausenden Inselchen und Inseln. Wir standen schon früh auf, um das einmalige Erlebnis kurz nach Sonnenaufgang zu genießen und fotografisch festzuhalten. Es lohnt sich, man taucht in eine ganz eigene Welt ein.
Die schwedische Hauptstadt wird auch als Venedig des Nordens bezeichnet. Sie erstreckt sich über 14 Inseln, die 53 Brücken verbinden. Sie hat eine Altstadt mit engen Gassen zu bieten, aber auch ein großartiges königliches Schloss und einen majestätischen Reichstag. Die Wachablösung vor dem Schloss ist ein bis ins kleinste Detail inszeniertes Spektakel, das die Touristen anzieht. Das bekamen auch wir zu spüren, denn vor lauter Zuschauern waren kaum die Königlichen Gardisten in ihren historischen blauen Uniformen zu sehen.

Nach einem dritten Seetag erreichten wir wohlbehalten Kiel. Es waren zehn erlebnisreiche Tage. Wir waren vom Schiff und seinem Angebot begeistert, auch unsere vier Mitreisenden, die schon einige Kreuzfahrten hinter sich hatten. Die Landausflüge waren gut organisiert mit sehr kompetenten und freundlichen Stadtführerinnen. Für eine intensive Erkundung der besuchten Städte reichte die Zeit einfach nicht aus. Aber das war uns von vornherein klar. Auf jeden Fall bekamen wir stets einen guten ersten Eindruck von den Ostseestädten.

Welche Stadt hat mir besonders gut gefallen? Ich würde gern Urlaub in Tallinn machen, um mir die vielen schönen Seiten dieser Stadt in Ruhe ansehen zu können. Fast ebenso gut haben mir Danzig und Stockholm (auch wegen des Schärengartens) gefallen. St. Petersburg scheint nicht jedermanns Geschmack zu sein. Vielleicht waren auch die zwei Tage dort einfach zu kurz, um sich ein objektives Urteil bilden zu können.

Wir würden auf jeden Fall noch einmal eine Kreuzfahrt unternehmen und denken da besonders an Norwegen.

 


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