Beerenpflücken und Johannisbeergelee

Meine Eltern hatten eine Schmiede und dahinter einen großen Garten, der ganze Stolz meiner Oma. An jedem Freitag musste eine von uns Mädchen helfen: Unkraut zupfen und alles ordentlich harken. Wenn dann am Sonntag Besuch kam, wurde erst einmal der schöne Garten bestaunt.

Eine ganz besonders große Vorliebe hatte meine Oma und auch meine Mutter für die Beerensträuche. Weiße und rote Johannisbeeren, grüne und rötliche Stachelbeeren, schwarze Johannisbeeren für Aufgesetzten und eine große Himbeerhecke entlang der Mauer zur Schmiede.

Wenn die Beeren reif waren, durften wir mit Mutters Erlaubnis jeder für sich eine große Tasse Beeren pflücken. Schön sauber kamen sie in die große Tasse. Auf die Beeren kam Zucker, aber nicht zuviel, das erlaubte Mutter nicht. Mit dem Kaffeelöffel wurde der Zucker unter die Beeren gemanscht, bis der Inhalt der Tasse richtig saftig war. Das schmeckte soooo lecker! Das war ein richtiges Sommergefühl. 😎

Hauptsächlich waren die Beeren aber zum Einkochen von Kompott und für die Herstellung von Marmelade, Gelee und Saft gedacht. Das machte Mutter oder Oma, pflücken mussten wir Kinder die Beeren, und das war nicht so toll. Einmal hat meine Oma einen Lehrjungen dabei erwischt, wie er Himbeeren genascht hatte. Er musste am Samstag den ganzen Hof fegen.

Beim Beerenpflücken war dann das große Sommergefühl 😎 buchstäblich im Eimer. Und einen genauso großen mussten wir pflücken, bevor wir spielen durften. Die Nachbarkinder spielten schon lange, und wir waren immer noch beim Beerenpflücken.

Einmal hatten wir jedoch eine tolle Idee: Wir haben den Eimer zuerst einmal mit Blättern von den Beerensträuchern zu einem Drittel gefüllt und dann die Beeren oben drauf gelegt. Das ging viel schneller, wir waren stolz auf uns und durften spielen gehen. Allerdings konnten wir uns nicht so recht konzentieren, jeden Augenblick haben wir damit gerechnet, dass wir nach Hause kommen mussten.

Ja, so war es dann auch, es gab ein riesiges Donnerwetter und Spielverbot für zwei Tage. Ich musste dann den weißen Geleeschaum nach dem Kochen immer wieder ordentlich abschöpfen. Aber das fand ich nicht so schlimm, der Geleeschaum kam nach dem Erkalten auf eine frische Weißbrotschnitte, hmm… das war lecker.

An all das denke ich, wenn ich heute ein Butterbrot mit selbstgemachtem Gelee nach dem Rezept meiner Mutter esse. Heute macht man Gelee mit Gelier-Zucker, das Rezept steht auf jeder Packung.

Guten Appetit und viel Spaß beim Einmachen 🙄

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