Karfreitag – Hausputz und Püfferkes

Fast jedes Jahr zu Beginn der Karwoche erzählte mir meine Mutter, wie sie als Kind die Karwoche erlebt hatte. Mindestens neun Sonnentage beschert laut einer Kalenderweisheit der Monat März den Menschen. Wie z.B. heute bei den ersten Sonnenstrahlen Spaziergänge oder sonstige Freizeitaktivitäten gemacht werden, war es in den 1930er Jahren eher umgekehrt. Die Arbeit drängte, und so teilten die Erwachsenen auch den Kindern ihre Aufgaben zu.

Frühjahr war`s und der Hausputz stand an. Bis in die hintersten Winkel wurde Ordnung und Sauberkeit geschaffen. Schon bald leuchteten an warmen Frühlingstagen die roten Federbetten wie Fahnen auf der Leine, damit die frische Luft in die mit Bettfedern gefüllten Kissen kam. Schrubber und Aufnehmer holten den letzten Rest Staub aus den leergeräumten Schlafzimmern.

Tante Mia hatte die Aufgabe, das Ofenrohr in der Wohnstube neu zu schwärzen. Pottlot hieß der sonderbare Name für dieses Färbemittel. Es war nur in wenigen Geschäften in Borken zu finden. Auch wussten nur ältere Verkäuferinnen Bescheid, was man haben möchte. Es hatten nicht mehr so sehr viele Haushalte einen Ofen.

Meine Mutter liebte die Karwoche nicht. Oma war schlecht gelaunt, sie trank in der Karwoche keinen Bohnenkaffee, das hatte sie sich als Fastenopfer selbst auferlegt. Auch stank es an Karfreitag ganz besonders schlimm nach Jauche. Karfreitag war für die „Evangälschken“, also Protestanten, ein hoher Feiertag und mit dem Gestank wollten die Bauern die evangelischen Bürger ärgern. So wurde dann an diesem Tag Gülle auf die Felder gefahren.

An der traditionellen Karfreitagsprozession im Burloer Kloster beteiligte sich natürlich die ganze Familie. Und wenn dem Herrgott die Ehre mit dem Gang durch die Natur erwiesen worden war, ging es weiter mit der Arbeit. Eine Kaffeepause gab es wegen des Fast- und Abstinenztages nicht.

Aber am Abend waren alle anstehenden Arbeiten mit vereinten Familienkräften geschafft. Zufrieden ging es an den großen Familientisch zum Abendessen. Von überall her roch es nach Seifenlauge und Bohnerwachs.

Zufrieden und schon österlich eingestimmt, gab es Kannepapp met Prumen (Buttermilchsuppe mit getrockneten Plaumen) und Püfferkes mit vielen Rosinen, mit Zimt und Zucker bestreut. Meine Mutter erzählte, dass am Karfreitag dem einen oder anderen vom unmäßigen Essen richtig schlecht wurde. Aber das konnte man dann ja bei der wöchentlichen Beichte am Samstag wieder in Ordnung bringen. 😆

Den Hausputz in der Karwoche mache ich nicht, heute wird es ja anders sauber gehalten.
Allerdings habe ich die Tradition mit den Püfferkes am Karfreitag zur Freude der ganzen Familie übernommen, sie sind einfach nur an diesem Tag so besonders lecker!

Wer den stillen Freitag und den Ostertag nicht hat, der hat keinen guten Tag im Jahr.

(Martin Luther)

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