Weihnachten und der besondere Kuchen

Weihnachten kam das Christkind bei uns nicht am Heiligen Abend, sondern am 1. Weihnachtstag. Zuerst ging es morgens zur Messe, eigentlich waren es drei Messen.
Wegen des hohen Feiertages wurden bei uns in der Klosterkirche in Burlo drei Messen hintereinander gelesen.

Allerdings ging das im Schnelldurchgang, die Geistlichen haben da wohl an die ungeduldigen Kinder gedacht. Jedoch fanden wir die Weihnachtsmesse auch sehr schön, weil nur die alten christlichen Weihnachtslieder gesungen wurden.

Danach ging es zu uns nach Hause. Mein Vater schaute im Wohnzimmer nach, ob das Christkind schon da gewesen war. Wenn dann ein Glöckchen bimmelte, durften wir Kinder nacheinander ins „beste“ Wohnzimmer kommen.

Am Weihnachtsbaum brannten richtige Kerzen, keine künstlichen, wie es heute üblich ist. Unter dem Weihnachtsbaum stand die Krippe. Als wir später Zentralheizung hatten, stand sie auf dem kalten Wohnzimmerofen.

Das Christkind brachte nützliche Dinge zum Anziehen, einen Teller mit Süßigkeiten und immer eine ganz dicke Apfelsine. Kurz vor Weihnachten verschwanden unsere Puppen, schick angezogen lagen sie dann unter dem Weihnachtsbaum. Das Kinderfahrrad bekam jedes Jahr einen neuen Anstrich, blau für meinen Bruder, rot und gelb für meine Schwester und mich. Wir haben nie gemerkt, dass es immer das alte Spielzeug war, so schön wurde es aufgemacht.

Irgendwann bürgerte es sich ein, dass das Christkind schon am Heiligen Abend kam. Da meine Eltern sehr konservativ waren, hat es bei uns etwas länger mit der „Umstellung“ gedauert. Wir konnten es jedoch nicht verstehen, wieso das Christkind bei den Nachbarkindern schon eher kam.

Eine schöne Erinnerung ist für mich der 2. Weihnachtstag. Dann kamen die „Hesslingstanten“ zu Besuch. Tante Ferdi kam alle zwei Jahre aus Kanada. Sie war in Ottawa als Sekretärin tätig und etwas ganz Besonderes. Dicke Ohrringe, schöne Ketten und Armbänder gehörten stets zu ihrer teuren Garderobe. Wir Mädchen bewunderten sie, brachte sie uns doch auch immer schöne Geschenke mit.

Und für diesen Besuch wurde dann ein ganz besonderer Kuchen gebacken. Ein Frankfurter Kranz nach Tante Dreschers Rezept!! 🙄 Das Besondere an diesem Rezept ist: er wird nur aus der Hälfte des Teigs eines normalen Rezeptes gemacht, allerdings mit der gleichen Menge Buttercreme und Johannisbeergelee. Der Frankfurter Kranz wird dann nicht so hoch, aber viel aromatischer und fruchtig. Und er ist sooo lecker, hmmm.

Nach dem Kaffee bekamen wir Kinder dann roten Sprudel, die Hesslingstanten ein Anisken, und unser Papa trank gemütlich sein Körnchen, manchmal auch zwei. Dann haben wir schöne Weihnachtslieder gesungen. Als wir älter waren, durften wir auch unser Können mit der Flöte oder der Gitarre beweisen. Es war einfach nur schön, gemütlich, und wir durften lange aufbleiben.

Ich könnte noch viel von Weihnachten erzählen, vielleicht ein andermal.

Freuen wir uns also auf Weihnachten und denken vielleicht daran:

Die Art des Gebens
ist wichtiger als die Gabe selbst.

(Pierre Corneille) 

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