Ehrenamt in der Natur

Ein Morgen im Venn: Johannes Schilling, Ludwig Klasing, Willi Winter und Caroline Waßenberg

Freitagvormittag, 10:00 Uhr. Wir vom Redaktionsteam sind mit Ludwig Klasing vom NABU Emsdetten am Aussichtsturm im Emsdettener Venn verabredet. Heute möchte er uns „sein“ Venn zeigen: das große Biotop, das so dringend auf menschliche Hilfe angewiesen ist, aber auch die vielen kleinen Wunder der Natur, die es zu entdecken gilt.

Bei unserer heutigen Erkundung sind Gummistiefel Pflicht. Denn Ludwig Klasing wird uns an recht nasse Orte im Venn führen. Dafür benutzen wir zunächst den schön angelegten Lehrpfad, der sich hervorragend für eine erste Kontaktaufnahme mit der Moorlandschaft eignet.

Der schmale bewaldete Bereich am Anfang des Pfades erweist sich als recht lebendig. Überall raschelt es, es sind sehr viele Frösche unterwegs. Wir verlassen den Weg und erreichen nach ein paar Metern eine Fläche, auf der Rosmarinheide, Glockenheide, Moosbeere und Rauschbeere sich mehr und mehr gegenüber den anderen Pflanzen behaupten. Für Ludwig Klasing ein gutes Zeichen: das Moor holt sich – langsam aber sicher – verloren gegangene Flächen zurück.

Unser Moorführer hat ein geübtes Auge. Er zeigt uns die vielen für diesen Lebenraum typischen Pflanzen und Moose, die erst bei genauerem Hinsehen sichtbar werden. Ludwig Klasing kennt sein Emsdettener Venn wie kaum ein anderer. Man braucht keinen bebilderten Naturführer, um Pflanzen und Tiere zu bestimmen, wenn man ihn als Begleiter hat.

Sonnenbad im Oktober

Nach den vielen Jahren seiner Arbeit für das Venn scheint es, also brauche er dieses Stück Natur, weil es ein Teil seiner selbst ist. Und umgekehrt wird man das Gefühl nicht los, dass das Venn Menschen wie Ludwig Klasing mit seinen tatkräftigen Helfern braucht, um irgendwann wieder völlig gesund zu werden.

Zu diesen Helfern gehören auch Willi Winter, Klaus Pleimann und Johannes Schilling, die wir an diesem Morgen bei ihrer Arbeit für das Venn antreffen. Sie sind damit beschäftigt, Faulbäume und Birken zu entfernen. Diese unerwünschten Gesellen entziehen dem Venn zu viel Wasser, das die für das Moor wertvollen Pflanzen für ihre Entwicklung brauchen. Deshalb geht es ihnen an den Kragen, sobald sie entdeckt werden. Auch grobes Werkzeug wie zum Beispiel eine Axt kommt dabei zum Einsatz.

Die Arbeit läuft sehr entspannt ab. Man ist gut im Zeitplan und es zeigt sich, dass man im letzten Jahr erfolgreich gearbeitet hat. Denn größere, gut sichtbare Birken oder Faulbäume wurden beim Entkusseln (so nennt man diese Arbeiten) kaum ausgemacht. So bleibt dann auch immer mal wieder Zeit für ein entspanntes Pläuschchen und für Momente, in denen man einfach die Ruhe und die Natur genießen kann.

Jeder Helfer entscheidet selbst, wie viele Stunden seiner Freizeit er für die Arbeit im Venn abzweigen möchte. Da redet ihm niemand herein; jede Unterstützung ist gern gesehen. Die Arbeiten fallen von Oktober bis Februar an. Einige kommen einmal wöchentlich für ein paar Stunden, andere helfen an mehreren Tagen in der Woche. Was zählt, ist das Resultat, und auf das kann die Gruppe rund um Ludwig Klasing sehr stolz sein.

Wespenspinne (Foto: L. Klasing)

Um so ärgerlicher ist es dann, wenn man immer mal wieder den Verpackungsmüll aus dem Wasser fischen muss, den gedankenlose „Naturfreunde“ hinterlassen. Zum Glück passiert das nicht allzu oft, es ist aber jedesmal ein besonderes Ärgernis. Ludwig Klasing bringt es auf den Punkt: „Wer es schafft, eine volle Literflasche Mineralwasser mit ins Venn zu nehmen, für den müsste es ein Vergnügen sein, die geleerte Flasche wieder nach Hause zu tragen.“ Dem muss man nichts hinzufügen.

Wir bedanken uns bei Ludwig Klasing für sehr interessante und lehrreiche zwei Stunden im Emsdettener Venn. Ihm und seinem Team gebühren Anerkennung und Respekt für die Arbeiten, die sie im Stillen für unser Venn leisten.

Wer dem NABU ehrenamtlich helfen möchte, das Emsdettener Venn für uns und unsere Nachkommen als einzigartigen Naturraum zu erhalten, ist jederzeit herzlich willkommen. Für weitere Informationen steht Ludwig Klasing, Tel. 02572/4188, gern zur Verfügung.

Freunde des Emsdettener Venns sollten sich diesen Vortrag nicht entgehen lassen:
Flora und Fauna im Emsdettener Venn am 12.11.2014

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