Milder Winter – gut oder schlecht?

Die Temperaturen stiegen in den vergangenen Tagen auf teilweise sommerliches Niveau. Viele zieht es hinaus in die Natur, man wandert oder tankt Sonnenschein. Die Eisdielen und Straßencafes in der Innenstadt sind zur Freude der Betreiber gut besucht. Das Stadtbild sieht schon recht frühsommerlich aus, obwohl der Kalender daran erinnert, dass wir erst April haben.

Im Vergleich zu den Wintern der letzten 30 Jahre war es mindestens 2,5 Grad zu warm. Das ist durchaus ungewöhnlich, denn der Winter 2013/2014 war der viertwärmste seit 1881 und sehr trocken. Und das hat für den weiteren Jahresverlauf erfreuliche, aber auch besorgniserregende Auswirkungen.

So ist zu befürchten, dass das Klima für Schnecken einfach wunderbar war. Die Gärtner bangen jetzt schon um ihre Saat, gibt es doch kaum einen gefräßigeren Salat- und Bohnenfeind. Ob es aber zu einer richtigen Schneckenplage kommen wird, müssen die nächsten Wochen zeigen.

Dasselbe wird leider auch für die Zecken gelten. Das sehr zeitige frühlingshafte Wetter hat zu außergewöhnlich hohen Zeckenaktivitäten geführt. Man sollte sich deshalb unbedingt gegen Zeckenbisse schützen. Grundsätzlich ist es ratsam, sich nach einem Aufenthalt im Grünen sorgfältig nach Zecken abzusuchen.

Eine Mückenplage scheint nach Einschätzung von Experten aber nicht zu drohen. Milde Temperaturen sind für Stechmücken eher ungünstig. Sie überwintern gern in Kellerräumen oder Höhlen. Und dort können sich in einem milden Winter Pilzsporen entwickeln, die die Insekten befallen und töten. Die Eier der Mücken überwintern eh auf feuchten Wiesen oder in Tümpeln. Und für die ist es unerheblich, ob Frost oder milde Witterung vorherrscht.

Sorgen macht der warme Winter auch den Förstern. Für die Entwicklung der Bäume war das Klima zwar grundsätzlich gut. Aber es hatte auch unangenehme Folgen, denn schädliche Pilze breiten sich aus. Überhaupt sind die Pilze die ganz großen Profiteure des warmen Winters. Eine Pilzart heftet sich an Buchen und schädigt diese Baumart ganz extrem. Diese Entwicklung wird schon seit Jahren mit großer Sorge beobachtet.

Auch Füchse haben durch den Schutz der Waldvegetation in großer Zahl den Winter überlebt. Diese jagen nun ihre bevorzugten Beutetiere wie Hase und Fasan. Doch diese Tiere sind bereits in ihrer Art gefährdet. Jetzt werden Jäger als Natur- und Wildhüter gefragt sein, denn die sollten mit richtigen Maßnahmen reagieren.

Natürlich hat der milde Winter auch seine positiven Seiten. So sind die Bienenvölker wunderbar durch die Wintermonate gekommen. Sie vermehren sich kräftig. An den vielen schönen Tagen im März konnten sie reichlich Pollen sammeln, den sie für die Ernährung ihres Nachwuchses benötigen. Dadurch haben die Bienen erheblich mehr Brut als in den vergangenen, eher schlechten Jahren. Aus diesem Grunde wird die Honigernte in diesem Jahr wohl besonders gut ausfallen. Aber auch die Bestäubungsleistung der Bienenvölker dürfte außergewöhnlich gut werden.

Das Streusalz konnte in diesem Winter weitestgehend in den Depots bleiben. Und wegen der wenigen Tage mit Minustemperaturen konnten die Gemeinden eine Atempause im kostspieligen Kampf gegen die ständigen Frostschäden auf ihren Straßen einlegen.

Beim Energieverbrauch für unsere Heizungen hat der milde Winter ebenfalls seine gute Seite gezeigt. Das Vergleichsportal Verivox hat berechnet, dass wir etwa 20 Prozent weniger Heizenergie verbraucht haben als im Vorjahr. Wer mit Erdgas heizt, wird diesen Effekt in seinem Geldbeutel deutlich spüren. Bei Ölheizungen sieht das wegen der stark gestiegenen Heizölpreise aber leider nicht so rosig aus.

Wie auch immer: freuen Sie sich über diesen wunderbaren Frühling, tanken Sie reichlich Sonne und nutzen Sie das Wetter für viele schöne Aktivitäten. Denn: der nächste Winter kommt bestimmt …

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