Gedanken zum Trauerwald

„Frieden findet man nur in den Wäldern.“ (Michelangelo)

Zu jeder Zeit und in allen Zivilisationen hat sich die Bestattungskultur immer wieder verändert. Sie musste sich den neuen gesellschaftlichen Gegebenheiten anpassen. Das ist auch in der Gegenwart der Fall, und die Geschwindigkeit der Veränderungen hat in den letzten Jahren immer mehr zugenommen.

Ganz zweifellos kann heute von einem Trend hin zur Feuerbestattung gesprochen werden. Ebenso kann man beobachten, dass sich die Menschen durch erhöhte Mobilität immer weiter vom Ort des Familiengrabes entfernen. Sie müssen die Grabpflege in fremde Hände geben und wählen immer kleinere Grabflächen. Dem Wunsch nach Pflegefreiheit kommen neu konzipierte Gemeinschafts-Grabanlagen weitestgehend entgegen.

Über allen Veränderungen steht aber nach wie vor der Wunsch nach einer würdevollen Bestattung und einer ästhetisch ansprechenden letzten Ruhestätte. Ganz wichtig ist auch, dass der Ort der Bestattung für die Familie auf Dauer psychologisch tragfähig ist.

In Emsdetten wird zur Zeit intensiv über die Schaffung eines Trauerwaldes diskutiert. Entsprechende Vorüberlegungen sind schon sehr weit gediehen, jedoch hat der Stadtrat letztlich seine notwendige Zustimmung verweigert. Trotzdem scheint die Diskussion damit nicht beendet zu sein.

Ein Trauerwald kommt von seiner Konzeption her dem derzeitigen Trend sehr entgegen. Trauerwälder gibt es in Deutschland seit 2001. Die nächstgelegenen Bestattungswälder gibt es in Warendorf (seit 2008) und Coesfeld (seit 2007). In Rheine laufen derzeit Bestrebungen, einen Trauerwald für den Kreis Steinfurt zu schaffen.

Der Bestattung in einem festgelegten Waldareal geht immer und zwingend die sog. Kremierung (Verbrennung) voraus. Für die folgende Beisetzung werden ökologisch leicht abbaubare Urnen benutzt. Die Urne wird im Wurzelbereich von Bäumen bestattet.

Die Grabstätten sind naturbelassen; Grabsteine oder die üblichen Grabbepflanzungen fehlen ganz. Lediglich kleine Tafeln an den Bäumen mit dem Namen, dem Geburts- und dem Sterbetag des Beigesetzten weisen auf die Grabstätte hin. So haben auch hier die Angehörigen einen ganz konkreten Ort der Trauer. Aber auch anonyme Bestattungen sind möglich. In der Regel werden unabhängig von Herkunft und Glauben alle Verstorbenen in einem Trauerwald beigesetzt.

Verfechter von Trauerwäldern stellen heraus, dass dort die Natur die Gräber pflegt und den Friedhof mit ihren vier Jahreszeiten schmückt. Ihnen ist für ihre Grabstätte der Gesang von Vögeln lieber als der Straßenlärm. Sie ziehen die in die Natur eingebetteten Ruhestätten den penibel gepflegten Gräbern vor. Die Natur habe alles Leben hervorgebracht – warum solle der Mensch nach seinem Tode nicht dorthin zurückkehren?

Gegner halten die Trauerwälder für ökologisch verklärt. Denn die langen Anfahrtswege, die die Hinterbliebenen zum Besuch des Grabes auf sich nehmen müssen, seien keineswegs ökologisch. Zudem gebe es kaum öffentliche Nahverkehrsmittel. Trauerwälder führten dazu, dass gewachsene Stadtteil- oder Dorffriedhöfe langsam aussterben. Doch die dort gepflegte Bestattungskultur sei wichtig zur Trauerbewältigung.

Die Entscheidung, wie und wo man nach seinem Tode beigesetzt werden möchte, liegt bei jedem Einzelnen. Jeder Mensch lebt sein Leben anders. Und vermehrt sucht er auch beim Thema Tod nach Möglichkeiten, die zu seiner Person passen. Die Achtung vor dem Mitmenschen gebietet es, auch solche Entscheidungen zu respektieren.

Gebietet es die Menschlichkeit nicht auch, diesen Entscheidungen einen Ort zu geben?

 


Unsere Beiträge zum Thema „Trauerwald“:

Diskussionsforum: Kein Trauerwald in Emsdetten?
Gedanken zum Trauerwald (Dieser Artikel)
Kommentar des Seniorenbeirates
Allerheiligen in der Trauerwald Oase


 

62 Besucher empfehlen diesen Beitrag (zum Voten bitte klicken)

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*