Die wunderbare Bratwurstvermehrung

Gnadenkapelle in Kevelaer

Als ich in den letzten Tagen von einem Reisebüro eine Anzeige über eine Wallfahrt nach Kevelaer gelesen habe, fiel es mir wieder ein: das Kevelaer-Menü. Das ist Bratwurst, Salzkartoffeln mit brauner Soße und Rotkohl. Unter diesem Namen ist das Gericht wohl bei allen etwas älteren Wallfahrern bekannt.

Jedes Jahr im September durfte eines von uns fünf Kindern mit unserer Oma nach Kevelaer  fahren. Schon früh morgens fuhr der Omnibus vom Kloster Mariengarden in Groß-Burlo ab. Allein die Omnibusfahrt war schon ein Erlebnis. Im Omnibus wurden Marienlieder gesungen und der Rosenkranz gebetet. In Winnekendonk sind einige Leute ausgestiegen und zu Fuß nach Kevelaer gepilgert. Das war für meine Oma jedoch zu mühsam.

Unser erster Weg führte uns in Kevelaer zur Marienkapelle. Meine Oma erzählte dann, dass ungefähr im Jahr 1641/1642 ein geldrischer Händler kurz vor Weihnachten dreimal den Ruf

Kerzenkapelle

„an dieser Stelle sollst du mir ein Kapellchen bauen“ gehört hat. Als dann in der nächsten Nacht seine Frau ein großes, glänzendes Licht gesehen hatte, in dessen Mitte sich ein Marienbild befand, setzte er die Bitte in die Tat um und baute die Marienkapelle.

Im Laufe der Zeit wurden nachweislich einige Wunderheilungen vollbracht, es folgten viele Kirchenbauwerke, eine Gnadenkapelle, die Kerzenkapelle usw. Wir besuchten natürlich jede Stelle, an der man beten und Kerzen anzünden konnte.

Ich konnte mich kaum konzentrieren, denn aus allen Restaurants roch es nach Bratwurst und Rotkohl. Meine Oma packte jedoch die mitgenommenen Butterbrote aus. Oma trank dazu ein Kännchen Kaffee und ich bekam eine Fanta. Nach dem Kreuzweg am Nachmittag durfte ich mir noch ein Fähnchen mit dem Marienbild kaufen und es ging mit dem Omnibus zurück.

Kevelaer-Menü (für 8 Personen)

Am nächsten Tag machte meine Mutter dann auf mein ständiges Bitten hin das „Kevelaer-Menü“. Für acht Personen gab es zwei nicht zu große Bratwürste. Eine wurde in zwei Teile geschnitten. Die erste Hälfte bekam mein Vater, die zweite Hälfte teilten sich Mutter und Oma, sie bekamen also ein Viertel.

Die zweite Bratwurst wurde für uns Kinder in vier Stücke aufgeteilt, Annette war noch zu klein für Bratwurst, Gott sei Dank, deshalb vier Teile. Dazu gab es natürlich Rotkohl und Salzkartoffeln mit brauner Soße.

Mit der Bratwurst war das bei uns so wie in der Bergpredigt in der „Heiligen Schrift“ mit den Broten und den Fischen: Es kommt nicht auf die Menge an, sondern darauf, wie man teilt.

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