Baltrum – Dornröschen der Nordsee

Hunderte von Seehunden kann man von der Fähre aus sehen.

Nach dem schönen Sommerwetter der letzten Wochen haben wir uns spontan für einen Kurzurlaub  entschieden. Doch wo sollte es hingehen? Ach ja, auf Baltrum waren wir noch nicht. Kurze Fahrzeit mit dem Auto, und schon waren wir in Neßmersiel.

Parkplätze vor dem Fähranleger gibt es genug, alles ist überschaubar. Die Fähre nach Baltrum geht täglich zwei Mal zu unterschiedlichen Zeiten, immer abhängig von Ebbe und Flut. Wir sitzen an Deck der zweiten Fähre an diesem Tag, Salz liegt in der warmen Luft, hier und da kreischt eine Möwe. Zum Greifen nah gleitet im Westen die Sandbank von Baltrums Nachbarinsel Norderney vorbei. Von dort beäugt uns mit stolzer Gelassenheit ein Riesenrudel Seehunde.

Nach 30 Minuten Fährzeit sind wir auf Baltrum angekommen. Erwartet werden wir vom Service der Hotels und Pensionen, die die Koffer auf Fahrradanhängern und Handkarren transportieren. Wir müssen zum Hotel laufen, die Insel ist komplett autofrei. Es geht durch die freie Natur, ab und zu hört man Hufegeklapper der Pferdekutschen, mit denen werden die Waren auf Baltrum verteilt.

Ankunft auf Baltrum bei strahlendem Sonnenschein.

Nach ca. 1 Stunde, mit  einigen Pausen, haben wir unser Hotel erreicht. Es gibt auf Baltrum übrigens keine Straßennamen, bei 480 Einwohnern findet der Briefträger den Empfänger ohne Probleme anhand der Hausnummer. Mit der Begrüßung „Moin Moin“ werden wir freundlich aufgenommen und beziehen  unser Zimmer – sehr schön.

Wir machen uns auf den Weg zum Strand. Dort angekommen ist Ebbe. Zwei Volleyballmannschaften formieren sich am Netz. Auffallend viele Senioren  gehen am Strand barfuß spazieren. Es herrscht einfach nur traumhafte Ruhe.

Zurück im Hotel haben wir sehr gut zu Abend gegessen, und nach einem Glas Wein und einem Sanddornlikör sind wir lange vor Einbruch der Dunkelheit wie Steine ins Bett gefallen. Nach einem guten Frühstück machen wir uns wieder auf den Weg, wandern mit einer Gruppe den sieben Kilometer langen „Gezeitenpfad“.

Dabei sehen wir die größte Lachmöwenkolonie Deutschlands auf den Salzwiesen. Dort gibt es Pflanzen, die nur am Wattrand gedeihen – wie die „Ostfriesensalzstange“, eine Pflanze, die Meersalz verträgt und darum knackig und salzig schmeckt. Wir verbringen die Tage mit Lesen im Strandkorb, gehen ins Cafe Kluntje, wo es den bekannten Apfelstreusel gibt.

Zu hören ist hier draußen auf der Terrasse nur das Geklapper der Kuchengabeln und ein paar entfernte Möwenschreie. Kein Gast starrt hier auf sein Smartphone, hier starren die Gäste höchstens auf die Untertassen, von denen sich die Spatzen die Krümel holen.

 

Baltrum hat einen schönen langen Sandstrand. – Pferdekarren sind das bevorzugte Transportmittel. – Von Baltrum aus sieht man die Insel Norderney.

Vieles gäbe es noch zu erzählen, man sollte Baltrum einfach mal besuchen. Es lohnt sich: die Ruhe, kein Autolärm, tolle Luft und nette Leute, alles ist überschaubar. Durch die kurzen Wege zum Strand ist ein Urlaub gerade für Senioren besonders zu empfehlen. Ich habe noch nie so viele Bänke zum Ausruhen gesehen, noch nie so viele Leute mit Rollatoren oder Gehhilfen auf dem Weg zum Strand oder zu den anderen Sehenswürdigkeiten, die die Insel zu bieten hat, getroffen.

Zugegeben, Baltrum ist nicht glamourös, das Nachtleben besteht nur aus ein oder zwei Kneipen. Baltrum ist nicht schick, macht aber süchtig. Ein Zitat von Thomas Mann trifft auf jeden Fall zu: Das Meer ist keine Landschaft, es ist das Erlebnis der Ewigkeit!

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